Search

"Hunde müssen Fleisch essen!" Stimmt das?


Zugegebenermaßen ein gewisser Exkurs vom Thema Achtsame Ernährung. Dennoch habe ich nach mehreren Anfragen zugestimmt, einen Beitrag über vegane Ernährung von Hunden zu schreiben. Schon nach dem ersten Googlen im Netz bereute ich meinen Entschluss: Internet-Bashing von der übelsten Sorte! Eine junge Frau, die ihre Hunde jeden Tag liebevoll vegan bekocht, wird als Schlachtabfall bezeichnet. Etwas gemäßigter wird § 2 des Tierschutzgesetzes bemüht, wonach man ein Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren solle, und diese Bedürfnisse hießen vor allem Fleisch. „Du kannst Hunde nicht vegan ernähren! Der Hund ist ein Karnivor, ein Fleischesser. Das sieht man schon am Gebiss. Er stammt vom Wolf ab. Eine artgerechte Ernährung muss daher Fleisch enthalten. Alles andere wäre Tierquälerei!“ Bei vielen ist das eine feststehende Meinung, die dem Anschein nach eher impulsiv als auf Fachwissen basierend kundgetan wird. Kritische und anders laute Beiträge scheinen nicht hinterfragt, sondern unmittelbar verurteilt zu werden. Andere wiederum berichten über sehr positive Beispiele, wie Hunde durch vegane Ernährung ein langes und gesundes Hundeleben führen und kranke Hunde durch vegane Ernährung deutlich weniger Symptome aufweisen. Was stimmt denn jetzt?

„Nicht Wahrheit, sondern gefühlte Wahrheit ist im Internetzeitalter die harte Währung“ bringt es Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf den Punkt. Wir glauben, was wir wollen, wenn auch intelligente Menschen weiterhin die Wahrheit schätzen werden. Doch wie soll man die Wahrheit erkennen und sich in der Informationsflut überhaupt noch zurechtfinden (die ähnlich widersprüchlich ist, wie bei menschlicher Ernährung)? Hier folgt nun meine persönliche "Wahrheit" nach umfassender Recherche zum Thema.

Wir bestimmen, wann unsere Hunde ihr Geschäft machen dürfen, legen sie in Körbchen mit Kisschen, manche dürfen sogar ins Bett, wir stellen sie auf Hundeausstellungen vor und vermenschlichen sie in vielerlei Hinsicht. Nur wenn es zur Ernährung kommt, tun plötzlich viele so, als hätten sie wilde Wölfe zuhause. Tatsächlich hat der Hund auch Reißzähne, mit denen er beim Fressen Muskelstränge, Sehnen, Knorpel und Knochen durchtrennen könnte. Das war wichtig, als Hunde ihre Beute noch selbst gejagt hat. Setzt man artgerechte Ernährung des Hundes mit der eines Wolfes gleich, dann müsste er alle paar Tage ein Reh, Hasen oder andere Beutetiere jagen und reißen. Lang, ist’s her, denn das macht schon lange kein Hund mehr (das würde auch für Ärger mit dem örtlichen Jäger sorgen). Heutzutage ist Lumpi abhängig davon, was Herrchen und Frauchen ihm füttern. Und das sind in der Regel keine lebenden Tiere, sondern Dosen- oder Trockenfutter. Denn auch hinsichtlich der Ernährung hat sich der mittlerweile domestizierte Hund signifikant von seinem wilden Vorfahren (dem Grauwolf) entfernt.

Die Domestizierung des Hundes begann wohl schon vor tausenden von Jahren – wie genau, weiß man nicht. Herrschende Meinung ist, dass der Wolf sich in kargen Zeiten den Wohnstätten der Menschen genähert hat, um dort nach Essensresten zu suchen. Hierdurch hat sich der Hund im Laufe der Jahrzehnte genetisch verändert. So fand eine Forschergruppe der University of Uppsala (Schweden) Unterschiede im Erbgut von Hunden, die auf einen veränderten Verdauungsmechanismus hinwiesen. Das veränderte Genom weist nach Aussage der Forschergruppe darauf hin, dass das Verdauungssystem stärker als das des Wolfes den Abbau pflanzlicher Stärke ermöglicht. Das spricht dafür, dass die Domestizierung des Grauwolfes zum Hund mit einer Umstellung auf stärkehaltige Nahrung einherging. Denn in den Essensresten der Menschen fanden sie nur sehr selten Fleisch – das war im Gegensatz zu heute viel zu teuer -, sondern vor allem stärkehaltige Happen, wie Kartoffeln und Brot, aber auch Gemüse und Obst. Das oft vorgebrachte Argument, Hunde hätten keine Amylase (ein kohlenhydratspaltendes Enzym) im Speichel und könnten Kohlenhydrate daher nicht absorbieren, ist nicht richtig. Hunde können Kohlenhydrate verdauen, auch wenn sie die Amylase nicht wie der Mensch im Speichel haben, sondern die für die Kohlenhydratverdauung erforderlich Alpha-Amylase in der Bauchspeicheldrüse produzieren und dann in den Zwölffingerdarm abgeben. Die Kohlenhydratverdauung findet beim Hund daher vor allem im Dünndarm statt und nicht wie beim Menschen bereits im Mund.


Darüber hinaus zeigen aktuelle Forschungsergebnisse der University of Davis (CA, USA), dass Hunde auch durchaus pflanzliche Proteine verdauen können. Entgegen oft bemühter Aussagen, nur tierisches Protein würde den Hund optimal versorgen, ist dies auch durch pflanzliches Protein gewährleistet. Denn pflanzliche Proteine können durch den Verdauungsapparat des Hundes zerlegt werden und sehen unter dem Mikroskop dann genauso aus, wie die aus einer Fleischwurst. Insgesamt hat sich der Metabolismus unserer Hunde von einem Karnivor zu einem Omnivor (Allesfresser), wie der Mensch es ist, entwickelt. Der Verdauungstrakt eines Hundes ist nun grundsätzlich in der Lage ist, auch ohne Fleisch alle lebensnotwendigen Nährstoffe aufzunehmen.

Was bedeutet es, ein Tier gemäß § 2 Tierschutzgesetz seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen zu ernähren?

Artgerecht ist eine Ernährungsform dann, wenn sie dem Hund alle Nährstoffe zur Verfügung stellt, die er für ein langes und gesundes Leben braucht. Die meisten Tierhalter gehen davon aus, das könne nur durch die Fütterung von Fleisch gewährleistet werden. Dadurch ist dem Hund in den vergangenen Jahrzehnten (und weil Fleisch unglücklicherweise so billig ist) noch nie so viel Fleisch gefüttert worden (ob durch „BARF“ [1], Dosen oder Trockenfutter). Es kommt daher auch nicht überraschend, dass diverse Studien davon ausgehen, dass die Fütterung von großen Mengen an tierischem Eiweiß auch beim Hund gesundheitliche Probleme auslösen. Die mittlerweile hohe Zahl an Nahrungsmittelunverträglichkeiten legt nahe, dass die heutige Fütterungsweise unseren Hunden nicht wirklich gut tut. „Viele Hunde, die mir vorgestellt werden, leiden an Nahrungsunverträglichkeiten.“ sagt Hunde-Verhaltenstherapeutin Sonja Buch. „Die Mengen an rohem Fleisch, die beispielsweise bei BARF gefüttert werden, sind oft zu groß. Wie dem Menschen bekommt es den Hunden auch nicht, viel Fleisch zu essen. In Dosen- und Trockenfutter sind zusätzlich noch viele Zusatzstoffe (Aromastoffe, Farbstoffe, Geschmacksverstärker, Konservierungsstoffe, etc.) enthalten, die dem Hund ebenfalls schaden können. Ein paar vegetarische Tage pro Woche tun vielen Hunden - je nach Symptom - tatsächlich gut.

Letztendlich ist es egal, woher der Hund seine Nährstoffe bekommt – das ist während meiner umfassenden Recherche deutlich geworden. Hauptsache sie werden ihm ausreichend und in der richtigen Zusammensetzung zugeführt. Aussagen im Netz, wie „Im Blut sind die Vitamine, wo ein Hund benötigt. Fertig!“ sind abgesehen von der grammatikalischen Herausforderung schlichtweg Quatsch! Proteine, Kohlenhydrate, Fette und diverse Mikronährstoffe, die Hunde benötigen, können durchaus auch aus pflanzlichen Quellen stammen oder zur Not zugesetzt werden. Für konventionelles Hundefutter werden L-Carnitin und Taurin, zwei wichtige Aminosäuren, auch oft synthetisch hergestellt und zugefügt, obwohl es Fleisch enthält und diese Aminosäuren vor allem in Fleisch vorkommen.


Selbst wenn man Hunde vegetarisch ernähren könnte, warum soll ich das tun? Der Konsum und die Fütterung von Tierprodukten sind für mehr als die Hälfte der durch den Menschen verursachten CO2 Emissionen verantwortlich und somit einer der größten Mitverursacher des Klimawandels. Was wollen wir denn unseren Kindern erzählen? Wir konnten dem Klimawandel nichts entgegen setzen, weil wir nicht nur jeden Tag Schnitzel, Schinken und Currywurst essen wollten, sondern auch noch unsere Haustiere damit gefüttert haben? Hier setzt die Firma Green Petfood (unbezahlte Werbung durch Markennennung) an. „Wir wollen Hunde nicht zu Veganern machen“ erläutert Yvonne Langer während meines Interviews. „Vielmehr liegt unser Fokus auf Nachhaltigkeit. Wir bieten alternative Proteinquellen, die die Umwelt weitaus weniger belasten. Dabei ist und bleibt die Gesundheit des Hundes oberstes Gut in unseren Überlegungen! Unsere Ernährungsexperten stellen sicher, dass er sämtliche Nährstoffe, z.B. Aminosäuren (Protein) in ausreichender Menge und in der richtigen Kombination bekommt.

Die feststehende Meinung, man müsse Hunde mit Fleisch füttern, geht auch richtig übel für andere Tiere aus! Jedes Jahr werden ca. 570 Millionen Kühe, Kälber, Schweine, Schafe und Hühner in Deutschland grausam geschlachtet und zerlegt, auch um unsere Haustiere zu füttern. Doch konventionelles Hundefutter enthält nicht nur reines Fleisch von gequälten Tieren aus der Massentierhaltung, sondern vor allem Schlachtabfälle, Häute, Blut, Federn, Hufe, Mägen, Därme, Knochen und Tiermehl. Darüber hinaus besteht der Verdacht, dass für das Tiermehl gelegentlich auch erkrankte oder verendete Tiere verarbeitet werden – die Amerikaner nennen das die 4D Kategorie: „Dead, Dying, Diseased or Disabled“. Was mich in diesem Zusammenhang wundert, ist, dass auch Veganer bei ihren Haustieren darauf bestehen, dass diese Fleisch essen müssten. Wir schicken Rinder (die ein Hund übrigens niemals in der freien Natur erlegen könnte), Hühner und Schweine in der Massentierhaltung durch die Hölle und zurück, schlachten Lämmchen, damit unsere Lieblinge vermeintlich wertvolles Futter bekommen? Reicht denn unsere Tierliebe nur für Hunde und Katzen, während uns andere Lebewesen egal sind? Neuerdings werden sogar Strauße und Pferde für die Ernährung von Hunden gezüchtet, da – wie oben besprochen – Hunde anderes Fleisch oftmals nicht mehr gut vertragen. Was für eine verkehrte Welt…

Nach alledem schließlich noch ein paar Worte zu meinen persönlichen Erfahrungen: Wir ernähren unsere Hunde seit Jahren vegan und unsere Hunde sind topfit, quietschfidel, haben tolles Fell und sind laut Tierarzt kerngesund (bestätigt durch Bluttest). Da wir auf keinen Fall Fehler bei der Fütterung machen möchten, verwenden wir Fertigprodukte, von VegDog und (99% vegan) Green Petfood (unbezahlte Werbung durch Markennennung). Dazu nehme ich von dem, was ich für unsere Familie koche, (vor dem Würzen) etwas für die Hunde beiseite (Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Quinoa, Amaranth, Gemüse, Obst, Salat, Spinat, etc.) und füge bei jeder Mahlzeit ein wenig gutes pflanzliches Öl sowie selbst gemachten Rejuvelac hinzu. Sofern Ihr die Mahlzeit selbst herstellen wollt, müsst Ihr Euch gut informieren, damit wirklich alle Nährstoffe enthalten sind, die benötigt werden. Meine Buchempfehlung: Heather Coster, „Plant Based Recipes for Dogs“ (leider nur auf Englisch) mit vielen Rezepten und Informationen, auch was Hunden nicht gefüttert werden sollte.

Fazit: Es ist durchaus möglich, einen Hund vegetarisch zu ernähren. Vielleicht fangt Ihr mit einem selbst gemachten Veggie-Hundekuchen an? Hier geht es zum Rezept.

[1] BARF - Biologically Appropriate Raw Food

#veganeHundeernährung #Hundeernährung #vegan #Hundekuchenselbstmachen #vegetarischeHundekuchen #veganeHundekuchen

Besucher: 

  • Facebook Social Icon
  • Instagram Social Icon