Neujahrsvorsatz läuft?

Updated: Mar 9


Der 1. Januar ist gut einen Monat her. Der Tag, an dem viele Menschen etwas in ihrem Leben verändern wollen. Gesünder essen, mehr Sport treiben, weniger Chips, mehr Gemüse, weniger Fleisch, etc. Für die meisten sind Neujahrsvorsätze aber auch schnell Schnee von gestern. Einer Studie zufolge schaffen es nur ca. 8%, ihre Vorsätze auch tatsächlich umzusetzen, während 92% scheitern und nach wenigen Tagen aufgeben. Wahrscheinlich müssen wir 66 Tage durchhalten (dazu gibt es verschiedene Lehrmeinungen), damit eine neue Verhaltensweise eine Gewohnheit werden kann, uns in Fleisch und Blut übergegangen ist. Warum fällt uns das so schwer?


Unser Autopilot sitzt auf dem Fahrersitz

Wir werden von unserem Autopiloten gesteuert, der uns durch den Alltag fliegt, ohne dass wir viel davon mitbekommen. Unser Gehirn liebt Gewohnheiten, vor allem, weil es Kraft sparen will, und zwar ohne eine bewusste Entscheidung treffen zu müssen. Ein Großteil unserer „Entscheidungen“ läuft so ab. Das ist grundsätzlich auch gut so, denn der Mensch ist tatsächlich ein Gewohnheitstier. Müssten wir bewusst darüber nachdenken, wie wir uns die Zähne putzen oder ein Glas Wasser trinken, wäre das eine anstrengende Angelegenheit und aus Sicht unseres Gehirns die reine Energieverschwendung.


Der Wärter unserer Gewohnheiten

Die gute Nachricht ist: Gewohnheiten können verändert werden. Sahnetorten zu ignorieren oder schwimmen zu gehen kann genauso zu einer Gewohnheit werden wie abends fernzusehen. Um aber den Schaltkreis unseres Gehirns zu aktivieren, der uns erlaubt, bewusst Informationen zu verarbeiten und neue Entscheidungen zu treffen, müssen wir an einer mächtigen Instanz vorbei: Dem Wärter unserer Gewohnheiten. Dieser hat Interesse daran, dass unsere Gewohnheiten auch weiterhin unser Leben vereinfachen. Eine neue Verhaltensweise verbraucht mehr Energie als eine Gewohnheit auf Autopiloten. Und Energie soll im System nicht verschwendet werden. Außerdem aktivieren unsere derzeitigen Gewohnheiten unser Belohnungssystem im Gehirn (eines der drei Elemente einer Gewohnheit). Jede Gewohnheit tun das, sonst wäre sie keine geworden. Also bleiben wir in unserer Komfortzone. Von welchem Wärter ich spreche? Richtig! Von unserem inneren Schweinehund. Da der für den Großteil unserer täglichen Entscheidungen zuständig ist, hat er auch zunächst mal das Sagen und lässt uns gerne schnurstracks zu unseren alten Gewohnheiten zurückkehren.


Jede Gewohnheit hat einen Auslöser

Neue Verhaltensweisen können sich nur durchsetzen, wenn wir die neuronalen Trampelpfade unseres Gehirns verändern. Dazu müssen wir ausreichend motiviert sein, gezielt eine Entscheidung zu treffen und uns diese bewusst machen. Energetisch ist das ganz wichtig, sonst kommen wir an unserem inneren Schweinehund nicht vorbei und schaffen es nicht, den Autopiloten aus dem Fahrersitz zu schmeißen. Bevor wir das tun, müssen wir uns jedoch die drei Elemente der Gewohnheit anschauen, die wir loswerden wollen. Neben der Aktivierung unseres Belohnungssystems ist das der Auslöser. Was treibt mich zu dem Verhalten, das ich loswerden will? Gehen Sie zum Beispiel nachmittags zu einer bestimmten Zeit in die Teeküche oder Kantine zu Kaffee und Kuchen mit den Kollegen? Ist der Auslöser Hunger? Dann tut’s vielleicht auch etwas frisches Obst. Oder ist es die Geselligkeit, das Bedürfnis mit Kollegen zu sprechen? Dann treffen Sie sich im Büro eines Kollegen, um dem Essensangebot aus dem Weg zu gehen.


Manifestieren

Hilfreich ist, wenn Sie sich jeden Tag für ein paar Minuten mit dieser Entscheidung befassen (die 66 Tage x 6 Minuten-Formel) und sie dadurch manifestieren. Vielleicht beginnen Sie den Tag damit, sich Ihre Entscheidung immer wieder deutlich vor Augen zu führen. Oder Sie beenden den Tag, indem Sie Revue passieren lassen, was schon gut funktioniert hat. Oder Sie schreiben sich einen Brief: Wer bin ich, wenn ich 66 Tage durchgehalten habe? Wie sehe ich aus? Was wird sich geändert haben? Womit auch immer Sie sich wohl fühlen. Beschäftigen Sie sich so oft wie möglich mit Ihrer Entscheidung oder erzählen Sie anderen (positiv) davon - wie ein Mantra. Die gute Nachricht: Es gibt nicht nur den willensstarken Hüter alter Gewohnheiten in unserem System. Tatsächlich sehnt sich unser Geist auch danach, sich weiterzuentwickeln und wir ziehen einen Großteil unserer Zufriedenheit aus der Konfrontation mit Herausforderungen und deren Lösung. Veränderungen regen uns also an und lassen uns lebendig fühlen.


Unsere körpereigene Happiness-Droge

Unsere neue Verhaltensweise hat aber nur dann eine Chance, eine neue Gewohnheit zu werden, wenn unser Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert wird und unsere körpereigene Happiness-Droge Dopamin ausgeschüttet wird. Damit beruhigen wir unseren inneren Schweinehund und hindern ihn daran, kontraproduktiv einzugreifen. Und nach häufiger Wiederholung erwartet das Gehirn automatisch die mit dem neuen Verhalten verbundene Belohnung. Also müssen wir uns fragen: Welche Befriedigung, welches Glücksgefühl gibt mir diese neue Verhaltensweise? Wenn wir uns vorgenommen haben, abends vor dem Fernseher Karotten-Sticks zu essen, anstatt Schokolade, wird die Karotte an der Drogenfront nicht viel ausrichten können. Die Schokolade hingegen schon. Sie dockt direkt dort an und erreicht unmittelbar die Ausschüttung von Dopamin. Deswegen kann Zucker wohl auch süchtig machen. Wie können wir dagegen angehen? Simple, aber nicht immer einfach: Positive Gefühle generieren! Wir neigen dazu, uns runter zu machen, wenn wir unsere Ziele nicht zu 100% erreichen. Irgendwann geben wir dann auf. Was wir aber eigentlich mögen ist Anerkennung, auch von uns selbst. Schreiben Sie Erfolge auf. Sagen Sie sich, wie gut Sie sich fühlen. Loben Sie sich, wenn Sie auch nur ein bisschen von dem erreicht haben, was Sie sich vorgenommen haben. Ruhig laut und übertrieben! Unser Unterbewusstsein reagiert auf dieses Theater und lässt unser Gehirn tatsächlich eine Portion Dopamin ausschütten.

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