Nachtmahl auf Schloss Freudenberg - Die ultimative Achtsamkeitsübung

Updated: May 2



Gestern Abend besuchten meine Freundinnen und ich Schloss Freudenberg in Wiesbaden und nahmen am Nachtmahl teil. Bilder konnte ich keine machen, da in absoluter Dunkelheit gegessen wurde, und das meine ich wörtlich. Man hat die Hand vor Augen nicht gesehen. Und wer jetzt denkt, dass sich das Auge langsam gewöhnt, um dann wenigstens Umrisse zu erkennen, der liegt falsch! Die Dunkelheit bleibt während des ganzen Essens unverändert und unerbittlich.

Bevor es los geht, erhielten wir eine Einweisung von der freundlichen Daya, die uns mit Ihrer ebenso freundlichen Kollegin Freya den Abend über bediente, und zwar ohne Nachtsichtgerät, in absoluter Dunkelheit. Bei dem Hinweis, wir sollten uns melden, falls wir uns im Speiseraum unwohl fühlten oder gar Panik bekämen, wurde ich ein wenig nervös. Diese Möglichkeit hatte ich bislang gar nicht in Betracht gezogen. "Der Körper reagiert in absoluter Dunkelheit anders" führte sie aus, und das konnten auch wir deutlich spüren.

Bevor es durch einen Dunkelgang mit unwägbaren Bodenverhältnissen und Stufen in den Speiseraum ging, nahmen wir uns instinktiv an die Hand. Die körperliche Nähe tat gut. Im Speisesaal angekommen wurde unsere Gruppe (15 Leute) an eine längliche Tafel gesetzt. Wir erfuhren, was vor uns auf dem Tisch lag (Besteck, Serviette, Wasserglas, etc.). Wasser sollen wir uns selbst einschenken, was die erste Herausforderung war, aber eigentlich recht gut klappte. Wir waren überrascht, wie schnell man sich doch an die Dunkelheit gewöhnte und diese auch irgendwann nicht mehr als bedrohlich empfand. Die Gespräche, die sich in der Gruppe entwickelten, waren richtig witzig! Keiner sah den anderen und der Austausch war ein gänzlich anderer.

Dann wurden uns nacheinander die sog. "Genuss-Stationen" angereicht. Die Idee war, zu erkunden, was sich in den Gefäßen befand, und zwar durch Tasten, Riechen, Schmecken und evtl. Horchen. Die ultimative Achtsamkeitsübung! Der Slogan des Veranstalters "Beim Nachtmahl in der absoluten Dunkelheit, ohne Blicke, ohne Zusehen und Zuschauen, erleben Sie Nährendes so intensiv wie nie zuvor." erweist sich als absolut zutreffend. Als wir erfahren haben, dass die Suppe, die wir alle als sehr aromatisch und lecker empfunden haben, überhaupt kein Salz oder andere Gewürze enthielt, waren wir baff! Und diese Erfahrung wiederholte sich bei jedem Gang: durch das Ausblenden der Sehkraft empfanden wir das Essen in einer völlig neuen und intensiven Art. Bei der dritten Genuss-Station habe ich das Besteck zur Seite gelegt und alles, was auf meinem Teller lag, zunächst errochen und ertastet (feuchte Tücher zum Reinigen der Hände wurden gereicht).

Insgesamt hat sich in dieser doch extremen Situation die Kraft der Achtsamkeit vollends bestätigt: wenn wir nicht nur das Essen sehen, sondern es auch mit unseren anderen Sinnen achtsam wahrnehmen, verbinden wir uns mit der Nahrung, sind komplett bei der Sache, Essen langsam und mit Bedacht. Eine absolute Wohltat für unseren Körper! Sorgenvolle Gedanken über andere Themen gibt es bei einem solchen Essen nicht: die laufen nämlich in einem anderen Schaltkreis des Gehirns ab, der nun abgestellt ist. Das achtsame Essen mit allen Sinnen und Bedacht können wir - wenn auch in weniger spektakulärer Form - jeden Tag praktizieren.

Nach ca. 2 Stunden wurden wir aus dem Speiseraum durch den Dunkelgang in das Foyer zurück geführt und offen gestanden war ich richtig erleichtert, wieder im Licht zu sein! Fazit: Eine tolle und aufregende Erfahrung, die ich weiter empfehlen kann, wenn auch nicht ganz billig (65,- Euro pro Person). Das Ambiente des Schlosses, das noch viele andere sinnliche Erfahrungen anbietet, entschleunigt, sobald man das Terrain betritt. Auf dem Rückweg zum Parkplatz hatten wir das Gefühl, als hätten wir ein Wochenendseminar absolviert. Der Alltag, der bei unserer Ankunft um 18 Uhr vor allem in Form von Müdigkeit noch so präsent war, war nun weit entfernt.

https://www.schlossfreudenberg.de/finsternis/nachtmahl.html

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