Scheißschlau! Wie eine gesunde Darmflora unser Gehirn fit hält

May 21, 2016

Worum geht's ?

Gute Bakterien in großer Vielfalt

Der oben genannte Titel des neuen Buches von David Perlmutter [1] setzt uns erstmal ein Fragezeichen in den Kopf. Was hat denn meine Darmflora mit meinem Gehirn zu tun? Dieser Zusammenhang irritiert wohl auch deswegen, weil es in unserem Gesundheitssystem vor allem Spezialisten für einzelne Körperteile und Organe gibt. Dann können die beiden ja auch nichts miteinander zu tun haben. Das Gegenteil ist der Fall: Die Gesundheit unseres Gehirns ist in hohem Maße abhängig von dem Zustand unserer Darmflora. Sie beeinflusst nicht nur das Risiko für Gehirnerkrankungen und psychische Krankheiten, sondern übt direkten oder indirekten Einfluss auf verschiedene Organe und Systeme, das Risiko für Krebs, Asthma, Lebensmittelallergien, Stoffwechselerkrankungen, Fettleibigkeit sowie Autoimmunkrankheiten aus. Da staunen Sie vielleicht. Hab ich auch! Die relevanten Zusammenhänge erläutert Perlmutter sehr überzeugend, detailliert und mit (fast schon ermüdend) vielen Forschungsergebnissen. So schreiben jüngste Forschungsergebnisse unserer Darmflora, in der die Bakterien den Löwenanteil ausmachen,  zahlreiche Funktionen zu: Unterstützung bei der Verdauung und Nährstoffaufnahme; Herstellung einer physikalischen Barriere gegen pathogene Keime, Viren und Parasiten; Entgiftung; Erheblicher Einfluss auf das Immunsystem (das haben wir schon im Blog am 2. Mai besprochen); Erzeugung/Freisetzung wichtiger Enzyme und Neurotransmitter sowie anderer chemischer Stoffe (z.B. Vitamine) für das Gehirn; Einfluss auf das endokrine Hormonsystem und damit verbundene Unterstützung der Stressbewältigung; Regulierung von Entzündungskaskaden im Körper und dadurch Einfluss auf chronische Erkrankungen sowie die Förderung eines erholsamen Schlafs. 

 

Die F:B-Ratio

Das Verhältnis der beiden größten Bakteriengruppen, die Firmicutes und die Bacteroidetes, (sog. F:B-Ratio) hat entscheidenden Einfluss auf die Entzündungsbereitschaft im Körper und gilt mittlerweile als Biomarker für starkes Übergewicht. "Die Firmicutes sind besonders geschickt darin, der Nahrung Kalorien zu entziehen und gestatten somit eine erhöhte Kalorienaufnahme." führt Perlmutter aus. Dann nehmen wir natürlich auch leichter zu, "Im Gegensatz dazu sind Bacteroidetes darauf spezialisiert, pflanzliche Stärke und Fasern in kürzere Fettsäuren umzuwandeln, aus denen der Körper Energie gewinnt." Eine perfekte F:B-Ratio für vollkommene Gesundheit gibt es nicht. Klar ist jedoch, dass bei vermehrten Entzündungen und Übergewicht ein erhöhter Anteil an Firmicutes bei weniger Bacteroidetes vorliegt. Es scheint für die Gesundheit förderlich zu sein, wenn der Bakterienanteil der Bacteroidetes, den der Firmicutes übersteigt und eine Vielfalt an Arten dieses Bakterienstammes vorhanden ist.


Perlmutters Empfehlung

Lange Rede, kurzer Sinn: die Lektüre der grob 350 Seiten des Buches bestätigt nochmal beeindruckend, wie wichtig eine gesunde Darmflora für unsere Gesundheit ist.  Die gute Nachricht ist auch hier, dass wir durch unsere Ernährung positiv eingreifen können. 

 

1) Präbiotika

Definition Wikipedia: "Nicht verdaubare Lebensmittelbestandteile, die ihren Wirt günstig beeinflussen, indem sie das Wachstum und/oder die Aktivität einer oder mehrerer Bakterienarten im Dickdarm gezielt anregen und somit die Gesundheit des Wirts verbessern". Natürlich vorhanden sind Präbiotika unter anderem in Chicorée, Schwarzwurzeln, Topinambur, Löwenzahnblättern, Knoblauch, Lauch, Zwiebeln, Spargel (alles roh verzehrt).

 

2) Probiotika,

Gegorene Speisen (hier nochmal der Hinweis auf den Blogbeitrag "Fermentierte Lebensmittel" vom 2. Mai 2016), wie Sauerkraut, sauer eingelegte Gurken und Gemüse, Kombucha-Tee, Miso oder Tempeh, 

 

3) Wenig Kohlenhydrate, kein Gluten und gesunde Fette

Über Gluten haben wir am 31. Januar 2016 im Blogbeitrag "Der böse Weizen" gesprochen und Details zu Kohlenhydraten und Fetten finden Sie in meinem Buch "Achtsamkeit und die Kunst des bewussten Essens". Übrigens: Die F:B-Ratio kann bereits durch vermehrte Ballaststoffzufuhr verbessert werden (einfach mal 1 Löffel geschroteten Leinsamen in den nächsten Smoothie rühren).

 

4) Regelmäßiges Fasten

Mindestens viel Mal im Jahr für 24 Stunden keine Nahrung aufnehmen und reichlich Wasser trinken lautet die Empfehlung (zur Anregung siehe Blogbeitrag vom 17. Januar 2016).

 

Und auch zu dem darüber hinaus empfohlenen Kokosöl, Kurkuma und Vitamin D finden Sie einen Blogbeitrag in unserem Archiv.

 

Die Erzfeinde unserer Darmflora

Zum Schluss kommen noch drei Aspekte, die Perlmutter als die Erzfeinde unserer Darmflora bezeichnet: (1) Kontakt mit Substanzen, welche gute Bakterien abtöten bzw. negativ verändern (Umweltgifte, Zucker, Gluten, Chlor im Leitungswasser sowie Medikamente, insbesondere Antibiotika) - hier wird die Diskussion um Bisphenol A, Glyphosat und andere relevant; (2) zu wenig Nährstoffe für eine gesunde Vielfalt an Bakterien und (3) Stress.

 

[1] Perlmutter, D.; "Scheiß-schlau. Wie eine gesunde Darmflora unser Gehirn fit hält", Mosaik-Verlag 2016

 

 

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