Achtsames Einkaufen: Fleisch von glücklichen Tieren ("Happy Meat")

July 30, 2016

Worum geht's ?

Eine Reportage in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "das vegan magazin" hat mir schlaflose Nächte bereitet. Die Bilder von den Lebensbedingungen der Schweine in der Massentierhaltung; wie Mütter ihre Ferkelchen bekommen müssen und wie qualvoll sie nach einem schrecklichen, schmerzhaften Leben getötet werden, sind seither ständig in meinem Kopf und brechen mir fast das Herz. Keine Angst, jetzt kommen keine schlimmen Peta-Bilder, nur ein dringender Appell an Euer Mitgefühl. Für die, die mehr wissen wollen, habe ich die relevanten Artikel am Ende dieses Berichts zusammengefasst (mit Trennlinie, denn danach wird Euch die Grillbratwurst aus dem Discounter nicht mehr schmecken). 

 

Schweine sind sehr intelligente Tiere, die in Freiheit ihre Umgebung erkunden, toben, wühlen und suhlen würden. Für ihren Nachwuchs würden sie vor der Geburt Nester bauen und ihn liebevoll versorgen. Mit der aktuellen Situation von ca. 60 Millionen Schweinen, die pro Jahr in Deutschland geschlachtet werden, hat das nichts zu tun (siehe unten). Informiert Euch bitte, welche Produzenten in Eurer Nähe den Tieren ein möglichst artgerechtes Leben bieten, überzeugt Euch von den Haltungsbedingungen und kauft dort Euer Fleisch ein. Vielleicht ist das ein bisschen teuerer, aber für das Schwein macht das einen großen Unterschied und für Eure Gesundheit auch. Manche Supermärkte bieten mittlerweile auch Bio-Qualität an. Hier sind vor allem die Zertifizierungen nach Demeter, Naturland und Bioland zu bevorzugen, da sie die strengsten Regeln für die Tierhaltung aufstellen.

 

Ein Produkt aus der Massentierhaltung kann zudem nicht von guter Qualität sein. Abgesehen davon, dass der Stress und die Angst, die Tiere in der Massentierhaltung erleben, von uns durch den Verzehr aufgenommen werden und feinstofflich erhalten bleiben, schätzen auch Kochprofis die Qualität als schlecht ein. "Die Art und Weise, wie das Tier aufgewachsen ist, spielt eine große Rolle für die Qualität des Fleisches" sagt Spitzenkoch Robert Hilges (einst Chefkoch im Ritz-Carlton, Berlin und Adlon Kempinski) in einem Interview mit der Zeitschrift Green Lifestyle. "Angst und künstliche Zusätze erzeugen schlechtes Fleisches. Ich glaube es gibt nichts Besseres für das richtige Fleischaroma, als wenn das Vieh draußen auf der Wiese lebt."

 

Natürlich kann kein einzelner Verbraucher das System der Fleischindustrie beeinflussen. Dazu ist das System viel zu mächtig. Aber wir können als Verbraucher versuchen, gute Lebensmittel zu finden, Fleisch von Tieren zu kaufen, die ein würdiges Leben hatten, bevor sie geschlachtet wurden, und dadurch deren Produzenten finanziell unterstützen. Wenn viele Menschen so handeln, ändert sich vielleicht doch etwas. Wer weiß? Obwohl ich mich selbst vornehmlich vegan ernähren und keine Tiere esse, möchte ich ein Verzeichnis erstellen mit Produzenten, die den Tieren ein würdiges Lebens bieten, damit Verbraucher wissen, wo sie einkaufen können. Ich werde mir daher in der nächsten Zeit Höfe in meiner Umgebung anschauen und darüber berichten. Da ich das nur in einem gewissen Radius tun kann, würde ich mich sehr freuen und wäre Euch dankbar, wenn Ihr mir Eure Bezugsquellen für "Happy Meat" nennt. Beate' Email

 

Informationen zur Schweinezucht in Deutschland

(Quelle: soweit nicht nachfolgend anders angegeben das vegan magazin "Tödliche Gewichtszunahme")

 

Rund 60 Millionen Schweine werden jährlich in Deutschland geschlachtet. Die meisten von ihnen stammen aus Großmastbetrieben mit bis zu zehntausend Tieren. In der größten Ferkelzuchtanlage Deutschlands "produzieren" 10.500 Zuchtsauen jährlich eine Viertelmillion Ferkel. Die Zuchtschweine führen ein Dasein jenseits unserer Vorstellungskraft. Etwa die Hälfte ihres Lebens verbringen sie in Metallgitterkonstruktionen, in die sie kaum reinpassen und daher nur stehen oder liegen können. Keinerlei andere Bewegung, etwa ein Schritt vor oder zurück, ist möglich. Denn nach der Tierschutznutztierhaltungsverordnung braucht ein Mastschwein von 110 kg nicht mehr als 0,75 qm Platz in der Schweinebucht, das heißt nicht mal 1 qm. Sie werden künstlich besamt, um zweimal jährlich 12 Ferkelchen zu werfen. Zur Geburt der Schweine sind die Sauen in einer Metallkonstruktion fixiert, damit sie sich gar nicht mehr bewegen können und kein Ferkelchen aus Versehen durch das Gewicht der Mutter erdrückt wird. So ist jedweder normaler Kontakt zwischen Mutter und Babies verhindert. In den ersten Lebenstagen erwarten die kleinen Ferkelchen dann die ersten Höllen-Qualen: Ohrmarken festtackern, Zähne schleifen, kastrieren und Schwänze abschneiden. Nach drei bis vier Wochen werden die Ferkel von der Mutter getrennt. Da sie in der freien Natur viel länger bei der Mutter bleiben würden, bedeutet auch das enormen Stress. Mit einem Gewicht von 50 kg beginnt für die Schweine die Mast (auf einer Fläche von 0,5 qm) und ein Alltag, der ausschließlich aus fressen und Fleisch ansetzen besteht, und zwar auf blankem Boden ohne Stroh und je das Sonnenlicht gesehen zu haben. Nach 7-8 Monaten haben die Schweine, die überlebt haben, ihr Schlachtgewicht von 110 kg erreicht, werden auf Transporter geladen und zum Schlachthof gefahren. Ihr letzter Weg ist wiederum geprägt von Angst und Stress, wodurch sich die Tiere gegenseitig treten und beißen. Am Schlachthof angekommen riechen sie das Blut und hören die panischen Schreie ihrer Artgenossen. Dann werden sie zur Schlachtung getrieben und mit Strom oder Gas betäubt. Was das bedeutet drückt die Wissenschaft eher nüchtern aus: "Die Einzelbetäubung von Mastschweinen in einer kommerziell betriebenen CO2-Dip-Lifttanlage führte bei 35% der Tiere zu Symptomen der Atemnot und bei 17.5% zusätzlich zu starken Aversionen in Form von Fluchtversuchen und Lautäußerungen. Aus Sicht des Tierschutzes verdeutlichen diese Beobachtungen, dass der Einsatz von CO2 für Mastschweine kritisch zu sehen ist." (Quelle: Interview mit Dr. Edmund Haferbeck, Peta, in: "das vegan magazin"). Die Tiere werden durch die Vergasung nicht ordnungsgemäß betäubt, erleben wie sie zur Entborstung durch ein 60 Grad heißes Brühbad gezogen und dann zerlegt werden. Bei vollem Bewusstsein...  

Please reload

  • Facebook Social Icon
  • Instagram Social Icon

100% plant based