Total genervt vom Hype um Superfoods & Adaptogene!

August 7, 2016

Worum geht's ?

Der Hype um Superfoods nimmt kein Ende. Superfoods Smooties, Superfoods Kochbücher, und natürlich Abnehmen mit Superfoods: „Abnehmen mit Superfoods! Die gesündeste Diät der Welt. Endlich schlank, fit und gesund mit der Kraft der Superfoods!“ so bewirbt ein „Magazin für moderne Ernährung“ seinen Beitrag auf dem Cover. Als Superfoods werden natürlich die Avocado, der Granatapfel und die Hagebutte genannt. Weiter geht’s dann mit den Exoten: roher Kakao, Lucuma (aus Peru), Carob (die Früchte des Johannisbrotbaums), Baobab (Afrika), usw. „Endlich schlank, fit und gesund…“. Das heißt, bevor wir Superfoods essen, die einen langen Weg aus Afrika, Peru oder Asien hinter sich haben, haben wir gar keine Chance, schlank, fit und gesund zu sein? Und wer will denn ständig Carob, Lucuma und Baobab essen?

 

Der Begriff „Superfood“ ist nicht definiert, wird aber meist für exotische Lebensmittel verwendet, die sich durch einen besonders hohen Nährstoffgehalt auszeichnen. Die Adaptogene setzen jetzt noch einen drauf: das sind pflanzliche Bestandteile, die die Fähigkeit des Körpers verbessern, sich bei Stress anzupassen (zum Beispiel Maca, Ginseng, Ashwagandha und Taigawurzel).

 

Gegen den Verzehr von Superfoods und Adaptogenen spricht nichts, aber sind wir doch mal ehrlich: Uns beeindrucken doch auch gerne die hiermit verbundenen Geschichten – eine Beere mit einem unglaublichen ORAC-Wert*, aus einem fernen Land, wo sie schon immer von einem Naturvolk gegessen wird, das dank der Beere von jedweden Zivilisationskrankheiten verschont geblieben ist. Ein Kraut, das mich stärker und Stress-resistenter macht. Gesundheit hängt nicht vom Verzehr einer bestimmten Beere oder einem Kraut ab. Vielmehr ist letztlich und auf lange Sicht die gesamte Zusammenstellung dessen, was man zu sich nimmt, entscheidend. Diese sollte ausgewogen sein, also einen Variantenreichtum aufweisen.

 

Die oben genannte Art der Berichterstattung ärgert mich darüber hinaus aus zwei Gründen: Zum einen suggeriert sie, dass alle anderen Foods – außer den Superfoods – nährstofftechnisch gar nichts können. Dass das Quatsch ist, zeigt ein kurzer Streifzug durch meinen Garten: Schafgarbe, Löwenzahn, Rotklee, Gänseblümchen. Pflanzen, die völlig unscheinbar und ohne besondere Bedürfnisse wachsen, unscheinbar. Und wenn wir schon Nährstoffe vergleichen: Gänseblümchen haben im Vergleich zu Kopfsalat drei Mal so viel Kalium und Magnesium, doppelt so viel Eisen, doppelt so viel Vitamin C und fast fünf Mal so viel Kalzium. Ich benutze sie sehr gerne als Deko, die dann mit gegessen werden kann. In einigen Rezensionen meines Buches wird erwähnt, ich würde mich auf Bitterstoffe konzentrieren (da hat einer anscheinend vom anderen abgeschrieben), stimmt nicht, aber dann tun wir es mal jetzt: Löwenzahn hat wunderbare Bitterstoffe, die den Stoffwechsel anregen und eine wahre Detoxkur für die Leber ist (Detox ist ja heutzutage auch ganz wichtig). Rotklee hat wunderbare sekundäre Pflanzenstoffe und verzaubert mit seinen rötlichen Blüten Ihren Salat. Diese Liste kann man beliebig fortführen. Es gibt wunderbare Pflanzen, ganz in unserer Nähe, die nicht mit viel Energie aus Afrika, Südamerika oder Asien geschippert werden müssen.

 

 

Der zweite und gravierendste Grund ist jedoch, dass wir uns immer mehr auf Ratschläge Dritter und Beratung von außen verlassen. Dabei ist unser Körper der beste Ratgeber. Niemand weiß besser, was wir brauchen und auch vertragen, als unser Körper selbst. Wir müssen ihm nur zuhören. Letztlich macht die Qualität unserer Nahrung nur die Hälfte aus. Genauso wichtig ist, die Art und Weise, wie wir essen. Durch achtsames Essen können wir eine wertvolle Verbindung zu unserem Körper herstellen.

 

*ORAC = Oxygen Radical Absorbing Capacity. Der Wert gibt an, wie schnell ein Lebensmittel schädliche Radikale neutralisiert.

 

 

 

Please reload

  • Facebook Social Icon
  • Instagram Social Icon

100% plant based