Kühe geben Milch, na und?

September 25, 2016

Worum geht's ?

Womöglich haben viele, wenn sie an Milchwirtschaft denken, ein Bild vor Augen, auf dem glückliche Kühe den ganzen Tag auf einer grünen Weiden stehen, grasen, sich (in den Grenzen des Weidezauns) frei bewegen können und ein paar Liter gesunde, gute Milch am Tag geben. So habe ich es gerade während eines Dinners im Bekanntenkreis gehört: "Ich verstehe ja, wenn man dagegen ist, dass Tiere getötet werden. Aber, wenn eine Kuh ein bisschen Milch gibt, was ist daran so schlimm?" 

 

Schlimm ist, dass die Beschreibung der glücklichen Kühe in den meisten Fällen diametral von der Realität der meisten Milchkühe abweicht. Natürlich gibt es immer noch viele Höfe, die sehr bemüht sind, ihren Kühen ein gutes Leben zu bieten und sie gut versorgen. Doch Kühe in der Massentierhaltung müssen ein anderes Lied singen. 

 

Weit weg von Sonnenlicht und grünen Wiesen werden Kühe in kalten Beton-Unterkünften regelmäßig künstlich besamt, um nach neun Monaten ein Kalb zu gebären. Dieses Kalb würden sie nun auch gerne - wie die meisten Mütter - liebevoll umsorgen. Doch das Neugeborene wird ihnen sofort oder nur wenige Stunden nach der Geburt weggenommen, mit billiger Ersatznahrung versorgt und isoliert in sogenannten Kälberboxen untergebracht. Mutter und Kind schreien tagelang nacheinander, weil beide die Trennung so sehr schmerzt. Gerade habe ich einen Bericht von einem Betrieb in den Niederlande gelesen, in dem eine Kuh nach dem Entreißen ihres Babies nicht mehr gegessen hat und gestorben ist. Aber was soll's? "Nutztiere sind dazu da, um uns zu dienen" habe ich kürzlich wieder gehört. 

 

Von ihrem Baby getrennt muss die Kuh in der sogenannten Agrarwirtschaft nun Milch in Mengen einer Hochleistungsmaschine geben. Für die Aufzucht eines Kalbes wäre eine Milchleistung von etwa 8 Liter pro Tag ausreichend. Hat eine Kuh Pech und landet in der Massentierhaltung, muss sie bis zu 50 Liter täglich geben. Die guten Samen, mit denen sie künstlich befruchtet wurde, machen den Unterschied. Diese Strapazen hält die Kuh nur ein paar Jahre durch (obwohl Kühe auch gerne um die 15-20 Jahre alt werden) und wird dann, wenn sie für die Milchindustrie nicht mehr wirtschaftlich ist, zum Schlachthof transportiert. Etwa 180.000 Kühe im Jahr sind schwanger, wenn ihnen im Schlachthaus die Kehle durchtrennt wird – für das ungeborene Kalb bedeutet dies den qualvollen Erstickungstod im Mutterleib. Insgesamt werden in Deutschland jährlich rund 3,5 Millionen Rinder getötet, bis zu 9 Prozent davon verbluten aufgrund von Fehlbetäubungen bei vollem Bewusstsein. 

 

Das ist der "normale" Gang in der Massentierhaltung. Jetzt kommt noch hinzu, dass Lebensmittel mit tierischen Zutaten zum großen Teil von kranken "Nutztieren" stammen. Nach einer aktuellen Studie von foodwatch stammt jeder zehnte Liter Milch von einer Kuh mit entzündeten Eutern. Tragisch daran ist, dass die Kühe als Milchmaschine trotzdem noch funktionieren. So wird auch von diesen entzündeten Eutern Milch abgepumpt, (abgesehen von den qualvollen Schmerzen für die Kuh) mit der Folge, das gerne mal Eiter mit in die Milch gelangt. Das ist aber kein Problem, denn durch die weitere Verarbeitung muss die Milch nicht als gesundheitsschädlich deklariert werden. Im Gegenteil: Das Image der Milch ist wunderbar und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) propagiert Milch weiterhin unbeirrt als gesundes Lebensmittel.

 

Eiter und Haltungsbedingungen mal beiseite: Die Milch einer Kuh ist (wie jede Muttermilch entsprechend) so konzipiert, das sie ein Kälbchen mit Wachstums- und anderen Hormonen sowie anderen wertvollen Nährstoffen versorgt. Alles, was es braucht, um ein Kälbchen wachsen zu lassen. Das trifft auf uns Menschen nun mal nicht zu. Hinzu kommt, dass in einem Liter im Supermarkt-Regal, Milch von bis zu 120 verschiedenen Kühen zu finden ist. Diese "Vielfalt" verkraften die meisten Menschen nicht mehr. Laktoseintoleranz nimmt stetig zu. Aber anstatt den Milchkonsum zu lassen oder einzuschränken, wird Lakto-Stopp eingeworfen oder es werden laktosefreie Produkte eingekauft, die gleichermaßen die furchtbare Milchwirtschaft unterstützen. 

 

Nach alledem frage ich mich, was tatsächlich extrem ist? Die Tatsache, dass ich durch mein Konsumverhalten kein Teil dieses Wahnsinns sein möchte?

 

Was aber ist die Lösung? "Wer in den Bauern Tierquäler sieht, liegt falsch. Die Tierhalter sind, die Tiere selbst und die Verbraucher, die über die Herkunft ihrer Produkte getäuscht werden, Opfer eines Systems, das falsche Anreize setzt." sagt Matthias Wolfschmidt, Veterinärmediziner und Kampagnenleiter von foodwatch. "Vor allem der Handel ist verantwortlich für einen Wettbewerb, der sich nicht um Qualität, sondern um den Preis dreht - das kann nur zu Lasten von Tieren, Bauern und letztlich auch Kunden gehen."  Nach Angaben von Verbraucherschützern gibt es leider "keine signifikanten Unterschiede zwischen konventioneller und Bio-Haltung, zwischen kleinen Höfen und Großbetrieben". Entscheidender für das Wohl der Tiere sei vielmehr die Qualität des Betriebsmanagements. Das heißt aber auch, dass wir als Verbraucher einen großen Einfluss haben. Zeigt Eure Empörung, an jeder Stelle, wenn ihr sie empfindet! Recherchiert, wo in Eurer Nähe Höfe sind, die ihre Tiere mit Liebe und Respekt behandeln. Eine halbe Stunde in Google hilft vielen Tieren eine würdiges Leben führen zu dürfen. Wer Interesse hat, kann mich jederzeit anschreiben. Ich versorge Euch mit allen Informationen, die Ihr braucht und recherchiere, wo es nötig ist.

 

 

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