Die Glanzleistungen des Christian S. - Ein Agrarminister auf Irrwegen...

January 8, 2017

Worum geht's ?

Lasse ich Revue passieren, was mich im letzten Jahr in der Politik am meisten aufgeregt hat, kommen nach dem Wahlsieg von Donald Trump erschreckenderweise recht schnell die unsäglichen Vorstöße und Aussagen von Christian Schmidt, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft.

 

Herr Schmidt wurde 2014 zum Minister für Ernährung und Landwirtschaft berufen, wie sein Vorgänger Hans-Peter Friedrich zu diesem Zeitpunkt fachfremd im Agrarministerium. Zuvor war er acht Jahre lang parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Verteidigung, danach im Bundesministerium für Entwicklungshilfe in gleicher Position. Nun ja, man kann sich ja in die Themen einarbeiten. Mache ich auch jeden Tag. Doch genau da scheint bei Herrn Schmidt manches schief gelaufen zu sein. Das hält ihn jedoch nicht davon ab, befreit von Fachkenntnissen Interviews zum Thema Ernährung zu geben.

 

Aufgrund der massiven negativen Auswirkungen, die Zucker auf den menschlichen Körper haben kann (siehe Abschnitt "Zucker"  in "Achtsamkeit und die Kunst des bewussten Essens", S. 130f.) hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den bisher gültigen Richtwert zum Verzehr von Haushaltszucker Anfang 2014 halbiert. Danach gelten mehr als 25 g/Tag als ungesund. Das ist ganz schön wenig, enthält bereits ein Glas Apfelsaft (200ml) diese Menge. Ein möglichst weitgehender Verzicht auf Zucker ist daher absolut empfehlenswert. Tatsächlich gibt es für den Menschen auch keinen Bedarf, Zucker als Lebensmittel aufzunehmen. Die vom Gehirn benötigte Glukose kann der Körper selbst durch andere Bausteine, die wir durch die Nahrung aufnehmen, herstellen. Zudem sind bestimmte Fette als Nahrung für das Gehirn wesentlich wichtiger und wertvoller (Meine Buchempfehlung: "Dumm wie Brot" von Dr. D. Perlmutter. Siehe auch Blogbeiträge "Scheißschlau..." vom 21.05.16 und "Der böse Weizen" vom 31.01.16). Herr Schmidt hingegen propagiert, der Mensch bräuchte Zucker als Lebensmittel, was schlichtweg falsch ist. 

 

In einigen Interviews warnt Schmidt vor veganer Ernährung, die nach seiner Auffassung zu Mangelerscheinungen führe und vor allem für Kinder und Jugendliche nicht geeignet sei. Dabei übersieht er und verschweigt bewusst, die vielen Studien, die diese populäre Aussage schon lange widerlegt haben. Ich hatte hier gerade schon anfangen, die Aspekte von veganer Ernährung bei Kindern zu erörtern, dann aber gemerkt, dass das den Rahmen sprengen würde (ein entsprechender Beitrag folgt in Kürze). Nur so viel: Richtig ist, dass bei der veganen Ernährung von Kindern auf die ausreichende Zufuhr von einigen Nährstoffen geachtet werden muss. Das machen die meisten veganen Familie aber verantwortungsbewusst und gut. Was mich an dieser Diskussion besonders nervt ist,  dass sich niemand darüber aufregt, dass viele Kinder durch ihre Ernährung viel zuviel Zucker, zuviel schlechtes (tierisches) Fett, zuviel schlechtes Salz und zu wenig Obst und Gemüse bekommen. Chicken McNuggets, Würstchen, Schnitzel, Süßigkeiten... alles kein Problem. Auch für Herrn Schmidt nicht. Im krassen Widerspruch zu der Einstufung von verarbeitetem roten Fleisch als "krebserregend" durch die WHO im Oktober 2015 (siehe Blogbeitrag "WHO warnt vor Krebsrisiko..." vom 02.11.15 ) fordert er jetzt sogar, dass jedes Kind Zugang zu Schweinefleisch in der Schule haben solle, da dies zu einer ausgewogenen Ernährung gehöre. Ja, ist es denn zu fassen? In welchem Jahrhundert lebt der Mann?

 

Das Kalkül, das hinter diesen Aussagen steht, ist klar: der Agrarindustrie, die für viele Lebensmittelskandale und Massentierhaltung steht, soll eine Absolution erteilt werden. Denn das ist der Bereich, den Herr Schmidt vor allem unterstützt. Nicht umsonst ist dieses Interview wenige Tage vor Weihnachten 2015 veröffentlicht worden, damit bloß niemand auf die Idee kommt, zu Weihnachten vegetarisch zu essen. Wenn es den wirtschaftlichen Interessen der Argarindustrie nutzt, kann man dem Verbraucher oder verunsicherten Eltern auch ruhig mal etwas Falsches erzählen. Die Leiden der Tiere sind Herrn Schmidt auch völlig egal. Beunruhigte Verbraucher, die sich aufgrund der aufgedeckten Skandalen über völlig untragbare Haltungsbedingungen in der Massentierhaltung sowie systematische Erkrankungen der Tiere Sorgen machen, tut Herr Schmidt ab mit Beschwichtigungen wie, in Deutschland seien die Bedingungen in Ordnung, das in der Berichterstattungen seien alles nur Ausreißer. So hatte er sich zuletzt auch geweigert, das vom Bundesrat im April 2016 beschlossene Verbot der ganzjährigen Anbindehaltung umzusetzen. Das muss man sich mal vorstellen: Ein Lebewesen ist jeden Tag, jede Stunde und jede Minute seines Lebens angebunden und kann sich so gut wie nicht bewegen, geschweigedenn soziales Verhalten mit seinen Artgenossen ausüben. Die Milchviehhalter können aufatmen, denn sie sind dank Herrn Schmidt erstmal von keinen Änderungen betroffen.

 

Dann gibt es da noch das große Probleme der steigenden Nitratwerte im Grundwasser. Nach Aussage des Umweltministeriums ist Hauptverursacher die Landwirtschaft, etwa durch zu viel Düngen des Bodens. Doch auch das setzt Herr Schmidt nicht auf seine To-do-Liste. Vielmehr widmet er sich dem gravierenden Problem der Kennzeichnung von vegetarischem und veganem Fleischersatz. Er möchte Bezeichnungen wie "vegetarisches Schnitzel" oder "vegane Currywurst" verbieten. Damit spricht er das für die Verbraucher bedrohlichste Problem an: Stellt Euch mal vor, jemand möchte ein Schnitzel kaufen und kauft aus Versehen ein vegetarisches? Vielleicht schmeckt das dann sogar auch ganz gut, so dass der fehlgeleitete Verbraucher auf die irrsinnige Idee kommt, öfter mal auf Fleisch zu verzichten. Das wäre wahrlich eine Katastrophe. Dann würde weniger echtes Fleisch aus der Massentierhaltung verkauft werden. Dass dies mittelbar auch der Umwelt zugute kommen würde, da die Massentierhaltung erhebliche CO2 Emmissionen mit sich bringt,  kann man ja vernachlässigen. Schließlich hat Herr Schmidt selbst, die Empfehlung seines wissenschaftlichen Beirats, in dessen neustem Gutachten angesichts des globalen ökologisches Fußabdrucks für eine tiergerechtere und umweltfreundlichere Produktion bei gleichzeitiger Reduktion der Konsummenge plädiert wird, über Board geworfen.

 

Zugegeben, das Leben eines Ministers ist nicht immer einfach, denn es gilt viele verschiedene, sich oft widersprechende Interessen unter einen Hut zu bringen. Doch wenn man wie Herr Schmidt aktuelle Ernährungsstudien ignoriert, falsche Aussagen trifft und den Verbraucher dadurch schädigt, um ausschließlich der Agrarindustrie zu dienen, dann kann ich nur hoffen, dass wir nach der Bundestagswahl im Herbst diesen Jahres zum Wohle der Verbraucher und der Tiere moderner und fortschrittlicher werden. Ohne berechtigte Interessen der Agrarindustrie zu vernachlässigen, sondern indem eine sinnvolle Balance auf Basis von aktuellen Fachkenntnissen zum Thema Ernährung und Landwirtschaft geschaffen wird.

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