Wichtiges EuGH-Urteil: "Käse" muss aus Eutersekret hergestellt sein!

June 18, 2017

Worum geht's ?

Geht Euch das auch so? Ihr würdet gerne Milch und Käse kaufen, greift aber dauert nach einer gefährlichen pflanzlichen Alternative, weil die Bezeichnung auf den Etiketten so scheiße-kompliziert ist? Wer soll auch darauf kommen, dass ein "Veggie-Käse aus Mandeln" nicht aus tierischem Eutersekret hergestellt wurde, sondern pflanzlich ist? Zusätze wie "Veggie", "Vegan" oder "Aus Mandeln hergestellt" helfen da nicht weiter.

 

Diesem krassen und für den Verbraucher äußerst gefährlichen Missstand hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) vor einigen Tagen mit Verweis auf die einschlägige Verordnung ein Ende gemacht: Er hat entschieden, dass nur Produkten, die aus einer „normalen Eutersekretion“ von Tieren gewonnen werden, die Bezeichnung „Milch“ vorbehalten ist. Gleiches gilt für aus Milch verarbeitete Produkte wie Rahm, Sahne, Butter, Käse oder Joghurt.

 

Anlass dieser Entscheidung war die Klage gegen einen Hersteller von pflanzlichen Produkten, der er u.a. unter dem Namen „Veggie-Cheese“ vertreibt. Die „Gefahr“ für den Verbraucher, nicht zu erkennen, dass er eine pflanzliche Alternative anstatt eines klassischen Milchprodukts kauft, könne laut EuGH nicht ausgeschlossen werden. Daher schafften die EU-Regelungen Klarheit und faire Bedingungen für den Erzeuger, die Händler und die Verbraucher. Lediglich „bei Erzeugnissen, deren Art aufgrund ihrer traditionellen Verwendung genau bekannt ist" oder bei denen "die Bezeichnungen eindeutig zur Beschreibung einer charakteristischen Eigenschaft verwandt werden" bestünde eine solche Verwechslungsgefahr nicht. Ein Beispiel sei "Kokosmilch".

 

Jetzt mal ehrlich: Ungefähr ein Viertel der Milchkühe in der Massentierhaltung leidet an chronischer Euterentzündung. Das ist nicht nur für die Kuh äußerst schmerzhaft (wer schon mal gestillt hat, weiß wovon ich rede), sondern sorgt auch dafür, dass Eiter in die Milch kommt. Das ist kein Problem, solange die Anzahl der in der Milch enthaltenen Eiterzellen nicht die in der Milchgüteverordnung festgelegten Höchstgrenzen übersteigt und die Milch pasteurisiert wird. Also juristisch alles tiptop in Ordnung, wer möchte dann die Gefahr eingehen, aus Versehen ein pflanzliches Produkt einzukaufen?

 

Und weil das Urteil für die Milch-Lobby so erfolgreich war, fordert nun auch der Deutsche Bauernverband, das was schon der vorausschauende Ernährungsminister Schmidt im letzten Dezember aufgebracht hat: Diese Klarheit muss es jetzt auch für Fleischwaren geben, "da (...) zunehmend vegetarischer und veganer Fleisch- und Wurst-Ersatz mit Begriffen wie Schinken oder Schnitzel" auf den Markt komme." Absolut richtig, dass sich der EuGH mit solchen gravierenden Problemen beschäftigt. Nicht, dass die noch anfangen, sich mit Problemen zu beschäftigen, die den Verbraucher tatsächlich beschäftigen und für ihn gefährlich werden könnten. Dann doch lieber die Milch- und Fleischindustrie durch wirtschaftspolitisch motivierte Verordnungen bedienen. Und wenn man das konsequent machen will, dann muss doch als nächstes ein Urteil zu Fleischkäse (der wird ja schließlich nicht aus Eutersekret gemacht), Fleischtomaten und Blutorangen folgen?

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