Achtsamkeit

Was ist das eigentlich genau und wie praktiziert man das beim Essen?

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Essen kann eines der sinnlichsten Erlebnisse überhaupt sein. Doch in unserer schnelllebigen Welt entwickeln wir uns immer mehr zu "nebenbei-Essern". Regelmäßige Mahlzeiten am Esstisch gibt es kaum noch und wenn doch, liegen Smartphones neben dem Teller. Es wird im Laufen, Stehen, vor dem Computer oder Fernseher gegessen, und zwar in Windeseile. Diese Oberflächlichkeit und Hetze ist meines Erachtens einer der größten Ernährungsfehler unserer Zeit, denn sie wirkt sich besonders negativ auf unseren Körper aus. Es geht nicht darum, aus der Nahrungsaufnahme eine Religion zu machen. Dennoch sollte unsere Ernährung den Stellenwert haben, den sie verdient: Sie erhält uns am Leben und entscheidet maßgeblich über unsere Gesundheit. Darüber hinaus können wir uns mit wenig Mühe während des Essens eine kleine Oase der Ruhe schaffen, in der wir unseren Organismus mit wertvoller Energie versorgen. Wem tut das in dieser stressigen Welt nicht gut? Hier kommt die Achtsamkeit in Spiel. 

 

Mittlerweile ist der Begriff Achtsamkeit in aller Munde und die passenden Apps gibt es natürlich auch schon. Doch was bedeutet die oft zitierte Aufforderung "im HIER und JETZT" zu sein? Achtsamkeit ist eine jahrtausendalte Methode, die wohl ursprünglich in der Meditationspraxis buddhistischer Mönche auf Basis der Lehre Vipassana entwickelt wurde. Das heißt so viel wie: „Die Dinge so sehen, wie sie wirklich sind“. Das spirituelle Ziel von Achtsamkeit ist, sich gedanklich nur in diesem Augenblick zu befinden und mit dem Bewusstsein unterhalb die Ebene unserer Gedanken zu gleiten. Das passiert zum Beispiel, wenn wir in ein gutes Buch vertieft sind. Die Gehirnschaltkreise, die für das oft sorgenvollen Gedankenkarussell und unser manchmal unaufhörliches, geistiges Geplapper zuständig sind, verstummen dann. Gelingt uns das, ist nicht mehr unser Sympathikus, sondern unser Parasympathikus angeregt, der uns die Füße auf die Couch legen und Ruhe einkehren lässt.

Wie können wir den Augenblick wahrnehmen, wie er wirklich ist? Mit unseren Sinnen. Wir lenken unsere Aufmerksamkeit bewusst auf das, was wir mit unseren fünf Sinnen wahrnehmen. Das kann sich entweder auf unsere Umgebung in der Außenwelt beziehen oder nach innen gerichtet sein, auf unsere Körperempfindungen, Gefühle und Gedanken. Wie ein unbeteiligter, aber interessierter Zeuge (der gleich vor Gericht aussagen muss) beobachten wir, was wir wahrnehmen, ohne es zu bewerten. Dieser interessierte Zeuge ist unser innerer Beobachter. Er oder sie (je nachdem, was Euch besser gefällt) sagt uns, was wir hören, schmecken, fühlen, riechen und sehen. Nicht mit unserem inneren Kritiker verwechseln, der das Gegeteil macht, nämlich ausschließlich bewertet.

Wie geht das beim Essen? Genauso - mit allen Sinnen! Wie sieht mein Essen aus? Vielleicht hat es eine wunderschöne Farbe, z.B. ein roter Granatapfel oder eine lila Aubergine. Wie riecht mein Essen? Wie schmeckt mein Essen?  Wie hört es sich an? Wer jetzt glaubt, Essen kann man nicht hören, der stelle sich vor, wie ein frisches Baguette gebrochen wird. Ich bin mir sicher, Du hörst im Geiste das Knacken der Kruste? 

Um Achtsamkeit beim Essen zu praktizieren kann sich unser innerer Beobachter aber auch mit anderen relevanten Fragen beschäftigen. Zum Beispiel, bevor wir anfangen, zu essen: Warum will ich jetzt essen? Habe ich tatsächlich Hunger? Oder bin ich gerade an einer Bäckerei vorbei gelaufen und habe dadurch Lust auf Kuchen bekommen, weil der Geruch so verführerisch ist? Vielleicht versuche ich auch negative Gefühle zu kompensieren? Wenn in unseren Gedanken der Satz fällt: "Das brauche ich jetzt einfach (z.B. Schokolade)!" könnte das damit zu tun haben.

Diese Beispiele sind quasi endlos und spielen bei jedem von uns eine signifikante Rolle, ob uns das passt oder nicht. Durch das Praktizieren von Achtsamkeit können wir unsere persönlichen Muster aufdecken und mehr Kontrolle über unser Essverhalten erlangen. Neben unserer ganz neuen Seminarreihe "Herzenshunger", die im Juni 2019 anläuft, bloggen wir über Erkenntnisse der Verhaltenspsychologie und der Hirnforschung, die unser Essverhalten entschlüsseln und unsere soziale Dimension des Essens beleuchten. 

Stay tuned - We are just getting started!                                           

Herzlichst, Eure Beate Caglar

                                                                       

                                             

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