Achtsamkeit

Somatischer Intelligenztest & Fragenvorschlag

"Vollkornprodukte sind besser als Weißmehl" 

"In der Schale sind die meisten Vitamine"

"Gojibeeren sind besonders gesund" 

Ernährungsempfehlungen (21. Jahrhundert)

 

Wir lesen Ernährungsempfehlungen, vertrauen auf die Kompetenz des Absenders und versuchen das 1:1 umzusetzen. Denn wir möchten ja vernünftig sein und uns gesund ernähren. Ob wir die angepriesenen Nährstoffe gerade brauchen oder uns das Nahrungsmittel überhaupt bekommt, steht auf einem ganz anderen Blatt! Was dem einen gut tut, kann bei dem anderen üble Blähungen, Bauchkrämpfe, Hautausschläge oder andere Unannehmlichkeiten verursachen. Kein Ernährungsberater kann wissen, was in unserem Körper gerade abgeht. Wie denn auch? Die individuellen Ernährungsbedürfnisse eines Menschen hängen von ganz persönlichen genetischen, immunologischen, kulturellen und emotionalen Faktoren ab und sind so einzigartig, wie jeder Mensch selbst. Eine Ernährungsempfehlung, die für die breite Masse gestrickt ist, sollte daher auf individuelle Ernährungsbedürfnisse überprüft werden. Aufgrund seiner somatischen Intelligenz lässt unser Organismus diesen Test automatisch ablaufen, aber spürst Du auch das Ergenis? Um diese Signale unseres Körpers besser wahrzunehmen, praktizieren wir Achtsamkeit beim Essen. In der nachfolgenden Liste findest Du eine Vielzahl von möglichen Fragen, die Dich dazu inspirieren sollen. Doch hier gilt das gleiche Prinzip: Das kann nur eine Anregung sein. Letztlich muss jeder für sich selbst die passenden Fragen stellen, und das geht mit ein bisschen Übung von ganz allein.

 

 

 

 

Anmerkung:

Die unten aufgeführten Seitenzahlen geben an, an welcher Stelle in unserem Buch "Achtsamkeit und die Kunst des bewussten Essens"

Du mehr Details über diesen Aspekt findest oder ob wir einen Blogbeitrag darüber geschrieben haben.

Vor dem Essen:

Mögliche Fragen (Hunger) S. 13-17: Habe ich wirklich Hunger im physiologischen Sinne? Knurrt mein Magen? Oder treibt mich gerade etwas Anderes zum Essen?

Anregung: Da es schwierig ist, zwischen Hunger und Appetit zu unterscheiden und viele Menschen verlernt haben, echte Hungergefühle zu erkennen, kann es hilfreich sein, eine Essenspause von 4-6 Stunden zwischen den Mahlzeiten einzuhalten, um das Knurren des Magens wieder zu spüren oder zu hören. Das ist eine ganz einfache Übung, mit der man viel über seinen Organismus erfahren kann.

Mögliche Fragen (Ruhe) S. 28 ff.: Wie geht es mir? Bin ich gestresst? Aufgeregt? Bin ich in Eile? Versuche ich gerade eine Mahlzeit in ein Zeitfenster von wenigen Minuten reinzuquetschen?

Anregung: Je entspannter wir sind und äußere Eindrücke reduzieren, umso besser verbinden wir uns mit den Signalen unseres Körpers. Bevor wir anfangen, zu essen, sollten wir daher unbedingt zur Ruhe kommen. Denn sind  wir gestresst, läuft in unserem Körper automatisch ein ganz anderes Programm ab, das mit geregelter Verdauung wenig zu tun hat. In unserer schnelllebigen Welt scheint manchmal nicht genügend Zeit zum Essen zu sein. Dann lieber später essen, weniger essen oder den nächsten Termin verschieben.

Mögliche Fragen (Emotionen): Wie fühle ich mich? Habe ich gerade ein ganz anderes Bedürfnis, das ich stillen möchte? Welche Gedanken habe ich? Bin ich gedanklich eigentlich gerade ganz wo anders?

Anmerkung: Wichtigen Themen, wie: "Kraft der Gedanken" (S. 56 ff.) und "Gefühle am Esstisch" (S. 70 ff.) haben wir jeweils ein eigenes Kapitel in unserem Buch: "Achtsamkeit und die Kunst des bewussten Essens" gewidmet. Es lohnt sich, sich damit zu beschäftigen. Denn, wenn Hunger nicht das Problem ist, ist Essen auch nicht die Lösung.

Mögliche Fragen (Esstisch): Sitze ich am Esstisch? Lenkt mich etwas ab, z.B. eine Zeitung, ein Laptop, ein Fernseher, ein Smartphone auf dem Esstisch? Wenn ja, dann lenkt uns das massiv ab. Warum? Hier geht's zum Blogbeitrag.

Anregung: Setzt Euch an einen (idealerweise schön gedeckten) Esstisch und verbannt alles, was ablenken könnte! 

Mögliche Fragen (Sehen): Sieht das Essen ansprechend und appetitlich aus? Spricht mich die Ästhetik an? 

Anmerkung: Das Auge isst mit! Das Anschauen der Kost entscheiden wir nicht nur, ob uns die Optik anspricht, sondern es dient auch der Qualitätsprüfung (z.B. Sichten von Schimmel)

 

Mögliche Fragen (Riechen): Was rieche ich? Riecht das Essen gut? 

Anmerkung: Unser Geruchssinn ist entscheidend für unser Geschmackserlebnis, denn er entscheidet neben dem, was wir sehen, ob wir etwas als appetitlich empfinden. Wenn Kost für uns gut riecht, dann spricht viel dafür, dass es auch bekömmlich ist.

Während des Abbeissens:

Mögliche Fragen (Hören): Wie beiße ich die Nahrungsstücke ab? Welche Größe haben die Stücke? Was höre ich dabei? Beiße ich hastig ab?

Anmerkung: Verarbeitete Lebensmittel werden gezielt mit ansprechenden Geräuschen hergestellt: Chips kommen nur auf den Markt, wenn sie knusprig klingen; Biere nur, wenn es beim Aufmachen zischt und eine Bockwurst nur, wenn sie beim Abbeissen "typisch nach Bockwurst klingt" (jeder, der schon mal eine Bockwurst gegessen hat, versteht das).

Während des Kauens:

Mögliche Fragen (Kauen): Kaue ich die Nahrung langsam? Kaue ich gründlich?

Anmerkung: Die Verdauung beginnt im Mund. Zunge, Speichel und die darin enthaltenen Enzyme arbeiten daran, Stärke aus der Nahrung zu ziehen. Dadurch werden dem Organismus bereits Nährstoffe und Energie zur Verfügung gestellt und der Nahrungbrei vom Magen besser aufgenommen. Das geht aber nur, wenn wir gründlich kauen!

Mögliche Fragen (Mund): Was schmecke ich? Schmeckt mir das, was ich kaue? Wie ist die Konsistenz? Wie geht es meinem Mund? Wie geht es meiner Zunge und Zähnen? Pelzig?

Anmerkung: Auf der Zunge befinden sich Papillen mit Geschmacksknospen. Über diese können wir süß, salzig, sauer und bitter schmecken. Mittlerweile spricht man noch von "umami", ein Lehnwort aus dem Japanischen, das für Schmackhaftigkeit, herzhaft-intensiv, würzig, angenehm steht. Zudem spüren wir mit unserer Zunge, welche Konsistenz die Speise hat. Ob uns etwas schmeckt hängt nämlich neben kulturellen Aspekten und Gewohnheit auch davon ab, ob es gut riecht, wie es aussieht, von der Textur, aber auch von unserer Erwartungshaltung. Wenn unsere persönliche Datenbank diese bestimmte Speise als positiv hinterlegt hat, wird dieses Datum automatisch eingespeist (z.B. ein Lieblingsessen aus der Kindheit) und wir erwarten ein wohlschmeckendes Ergebnis. Hier kann man mal hinterfragen, ob uns das tatsächlich immer noch schmeckt.

Nach dem Herunterschlucken:

Mögliche Fragen (Speiseröhre): Wie geht es meiner Speiseröhre? Hatte ich die Nahrung zu einem Brei gekaut? Hatte ich beim Verzehr, Probleme zu schlucken? Bleibt mir etwas im Halse stecken?

Anmerkung: Letzteres kann beispielsweise passieren, wenn wir beim Essen unangenehm überrascht werden, am Tisch streiten, die Stücke zu gross sind, wir ein Nahrungsmittel zu uns nehmen, dass wir nicht vertragen und der Körper sich gegen die Aufnahme wehrt.

Mögliche Fragen (Sättigung): Bin ich satt? Oder habe ich noch Hunger?

Anmerkung: Das Sättigungsgefühl wird von der Dehnung der Magenwand bestimmt. Menschen, die einen stark ausgedehnten Magen haben, fällt es oft schwer, das Sättigungssignal wahrzunehmen. Ein Trick, um das besser zu spüren, ist immer wieder am Essen zu riechen. Riecht es nicht mehr gut für uns, dann kann das ein Zeichen von Sättigung sein. Zudem heißt Sättigung nicht, "da passt nichts mehr rein", sondern mein Hungergefühl ist gestillt. Das ist eine entscheidende Feinheit, die nur durch Üben zu erkennen ist, aber entscheidet, ob wir über das für unseren Organismus erforderliche Maß hinaus essen.

Nach dem Verzehr:

Mögliche Fragen (Bauch): Wie geht es meinem Magen? War die Portion angemessen oder zu groß? Fühle ich mich aufgebläht? Habe ich Bauchschmerzen?

Anregung: Beide Hände auf die Bauchdecke legen und spüren. Man glaubt es nicht, aber das schafft oft eine wirkliche Verbindung und ist sehr informativ!

 

Mögliche Fragen (Haut): Wie geht es meiner Haut? Hat sie sich nach dem Verzehr verändert? Ist sie gerötet? Ist sie geschwollen? Juckt sie? Gibt es Ausschläge?

Mögliche Fragen (Verdauung): Wohlempfinden? Oder habe ich Durchfall? Verstopfung? Bin ich besonders müde?

Anmerkung: Durchfall kann ein Mittel des Körpers sein, die Nahrung so schnell wir möglich aus dem Organismus zu katapultieren, da Substanzen identifiziert wurden, die dem Körper nicht gut tun. Müdigkeit kann ein Zeichen sein, dass der Verdauungsprozess besonders beschwerlich ist.

Mögliche Fragen (Emotionen) S. 70 ff.: Wie ist meine Stimmung? Wie fühle ich mich? Habe ich ein schlechtes Gewissen? Oder bin ich befriedigt? Vielleicht auch traurig?

Anmerkung: Geschmack ist entweder ein neues Erlebnis oder Erinnerung und Emotion (Stichwort: Persönliche Datenbank). Für Letzteres hat unser Limbisches System eine Ess-Erfahrung mit einer Emotion verbunden. Daher lassen uns manche Gerüche und Geschmäcker sentimental werden.

Testergebnis

Wie geht es Dir nach dem achtsamen Essen? Bist Du mit Deinen Gedanken beim Essen geblieben oder sind sie abgeschweift? Was Du ruhig oder in Eile? Was hast Du über Dich erfahren? Hat Dein Körper auf die Fragen des somatischen Intelligenztests mit wohligen Gefühlen geantwortet? Dann ist Dir das Essen wahrscheinlich gut bekommen. Wenn es Dir während oder nach des Verzehrs nicht gut oder sogar schlecht ging, dann spricht natürlich vieles dafür, dass Dir die Kost nicht bekommen ist. Das kann sogar tageszeitabhängig der Fall sein: Was Dir morgens gar nicht zusagt (z.B. nach einem Riechtest), kann Dir abends besonders gut schmecken. Tipp: Schreib' Deine Antworten zu den Fragen, die Du Dir gestellt hast, in ein Ernährungstagebuch. Eine schöne Kladde, in der Du alles einträgst, was Du wahrgenommen hast. Das macht richtig Spaß und aktiviert unsere innere Stimme besonders stark.  

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