Ein Plädoyer, das Smartphone vom Esstisch zu verbannen!

Updated: Apr 24

Neun von zehn Deutschen finden es unhöflich, wenn Ihr Gegenüber beim Essen auf sein Smartphone schaut. Das ergab die repräsentative Umfrage eines Marktforschungsinstituts. Widmet das Gegenüber seinen digitalen Kontakten mehr Aufmerksamkeit als den anwesenden Personen, wird dies als besonders unhöflich empfunden und als ein Zeichen von Desinteresse gewertet. Und dieses unhöfliche Verhalten hat auch schon einen entsprechend abfälligen Namen: „Phubbing“.

"The act of snubbing someone in a social setting

by looking at your phone instead of paying attention"


Phubbing ist ein Kunstwort, das aus dem englischen Begriff für Telefon (phone) und dem Verb brüskieren (to snub) im Rahmen einer Marketingkampagne entstanden ist. Es definiert das Verhalten, sich mit dem Smartphone zu beschäftigen, während man die Menschen, mit denen man eigentlich gerade gesellschaftlich verkehrt, vernachlässigt.




Unhöflichkeit ist jedoch nicht das einzige, was dieses Verhalten mit sich bringt. Vielmehr haben Studien gezeigt, dass allein die Anwesenheit eines Smartphones auf dem Tisch die Aufmerksamkeit seines Besitzers signifikant ablenkt. Denn der möchte unbewusst keine Information, Nachricht oder was immer dort ankommen könnte, verpassen. Das Gespräch mit unserem Gegenüber wird dadurch weniger bedeutsam - Ob wir das wollen oder nicht. Wir sind weniger empathisch und haben auch weniger Augenkontakt.

Der Grad der Ablenkung variierte laut Studie, je nach dem, wo sich das Smartphone befand: Menschen, die ihr Smartphone in einem anderen Raum ließen, waren am wenigsten abgelenkt, gefolgt von denen, die das Smartphone in der Tasche ließen. Am schlechtesten schnitten diejenigen ab, die ihr Smartphone mit der Bildfläche nach oben auf den Tisch neben sich legten, gefolgt von denen, die es mit der Bildfläche nach unten auf den Tisch legten.


mangelnde Konzentration und die Tatsache, dass wir deswegen die soziale Situation nicht mehr richtig wahrnehmen, macht uns auch (unbewusst) unglücklich. Das ergab eine weitere Studie von Psychologen der University of British Columbia (et. alia). Das Smartphone zu nutzen, während wir eigentlich Zeit mit anderen verbringen, lässt uns die gemeinsame Zeit weniger genießen. Und, wer sein Smartphone immer griffbereit auf dem Tisch liegen hat, kann auch das Essen weniger genießen und langweilt sich sogar schneller. Das überraschte auch die Wissenschaftler. Die gingen eigentlich davon aus, dass Menschen, die Zugang zu ihren Smartphones haben und sich damit in Gesprächspausen leichter ablenken können, eher nicht gelangweilt wären.


Ironischerweise ist der beste Ort sich (menschlich) zu verbinden,

in einer digital-freien Zone

Muss man dennoch mal ein wichtiges Telefonat führen, haben damit die wenigsten ein Problem. Als Zeichen der Höflichkeit sollte man das kurz mit seinem Gesprächspartner abstimmen und danach das Smartphone für den Rest des Essens in der Tasche verstauen.

Unabhängig von diesen sozialen Komponenten, essen wir, wenn ein Smartphone auf dem Tisch liegt, eher unbewusst und oberflächlich. Denn das unbewusste Lauern auf Nachrichten oder Töne vom Smartphone und das Schauen auf den Bildschirm eines Laptops lenkt uns massiv. Wir genießen das Essen nicht und es wird zu einer Nebensache, die wir nicht mehr wahrnehmen. Dafür essen wir auch in der Regel mehr. Der Klassiker ist die Tüte Chips abends vor dem Fernseher, die wir - ohne es zu merken - einfach auffuttern.


"Weil man diese Tüte nicht genießt und kein soziales Ereignis aus dem Essen macht, wird man psychisch nicht satt."

Prof. Dr. Christoph Klotter, Ernährungspsychologe


Lesen wir beim Essen Email, die uns nachhaltig beschäftigen oder sogar besorgniserregend für uns sind, während des Essens, bereitet das unserem Organismus Stress. dann spult unser Körper ein anderes Programm ab (siehe S. 28 ff. "Achtsamkeit und die Kunst des bewussten Essens") und konzentriert sich nicht auf das, was gerade passieren soll: Nämlich die Nahrung zu verdauen und die dort enthaltenen Nährstoffe aufzunehmen. Das heißt, auch wenn wir alleine essen, sollten wir technische Geräte und Smartphones vom Tisch verbannen.


Das fällt vielen schwer. Denn wir sind die Stille mit uns allein, nicht mehr gewohnt. Essen wir in Gesellschaft, ist es besonders schade, wenn wir uns zeitgleich in der virtuellen Welt aufhalten. Die US-amerikanische Wissenschaftlerin Candice Pert fand heraus, dass sich das gesellige Beisammensein bei Tisch in angenehmer Runde besonders positiv auf unseren Organismus auswirkt. Das Zusammensitzen und langsame Essen in angenehmer Gesellschaft erzeugen positive Gefühle und fördern Verdauung und Gesundheit. (Details zu alledem lest Ihr in unserem Buch: „Achtsamkeit und die Kunst des bewussten Essens“).

Schließlich brauchen unsere Kinder dringend gute Vorbilder für den Umgang mit technischen Geräten (auch am Esstisch). Nur wen, wenn die Erwachsenen es selbst nicht hinkriegen?


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