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Heimisches Superfood


In einem Monat ist Herbstbeginn. Ja, ich weiß. Man hat irgendwie das Gefühl, dass noch gar nicht so richtig Sommer war. Und COVID mit seinen Varianten begleitet uns noch immer, auch wenn viele mittlerweile geimpft sind. Das heißt, auch während der anstehenden Erkältungs- und Grippezeit kommt es zu den üblichen Ansteckungen. Letzlich hilft hier - wie immer - vor allem eines: Den wichtigsten Spieler auf dem Feld zu stärken - unser Immunsystem. Und wenn es dennoch zu einer Erkrankung kommt, sind unsere Selbstheilungskräfte gefragt - egal welche Medizin wir zusätzlich einnehmen. Was liegt also näher, als dieses System besonders zu unterstützen?


Das würde eigentlich - neben anderen Aspekten, wie z.B. Bewegung - am besten mit gesunder, pflanzenbetonter Ernährung klappen. Doch der Nährstoffgehalt unserer Lebensmittel, die wir im Supermarkt kaufen können, hat in den letzten Jahren/Jahrzehnten drastisch abgenommen! Was also tun? Ich kann es nicht oft genug betonen: Wildkräuter essen!


Die perfekte Einsteigerpflanze für angehende Wildkräutersammler ist die Brennnessel. Wir alle haben uns schon an ihr verbrannt und können sie leicht in der Natur identifizieren. Und auch, wenn viele Menschen denken, etwas Gutes muss auch viel kosten (Stichwort: Nahrungsergänzungsmittel), möchte ich Euch den Gedanken in den Kopf setzen, dieses wunderbare Angebot der Natur wahrzunehmen. Zum Vergleich: Der Eiweißgehalt von Kopfsalat liegt bei ca. 0,6 g pro 100 g. Die Brennessel weist 5.9 g auf, der Giersch sogar 6,7 g. Der Magnesiumgehalt von Spinat liegt bei 58 mg/100g. Der der Brennessel bei 71 mg. Der Vitamin C Gehalt eines vermeintlich gesunden Kopfsalates liegt bei 13 mg pro 100g. Die Brennessel weist einen Wert von 333 mg pro 100 g auf. Diese Angaben (siehe Fußnoten (1) unten) sind aus einem Buch, das 11 Jahre alt ist. Besser ist es nicht geworden, im Gegenteil.


Jetzt Brennnesselsamen ernten!

Im Frühjahr sind die jungen Blättchen der Brennnessel besonders nährstoffreich. Aktuell ist die richtige Zeit, um die Brennnesselsamen zu ernten. Das habe ich gestern gemacht. Sie werden getrocknet, in Gläser verpackt und dienen uns über dem Herbst/Winter als Superfood. Das Ganze hält nämlich ca. 1 Jahr.


Es gibt allerdings ein paar Dinge zu beachten: Laboruntersuchungen lassen eine antioxidative und leberschützende Wirkung der Brennnesselsamen vermuten (2). ABER - das gilt vor allem für die weibliche Brennessel. Ja, es gibt zwei Geschlechter. Und eigentlich kann man diese ziemlich gut unterscheiden: Die weiblichen Pflanzen (siehe Bild ganz oben) haben dicke Samenstände mit vielen kleinen "Perlchen". Die männliche Pflanze (Bild links oben) hat einzelne Stängel, die seitlich abstehen oder nach oben zeigen (ringing a bell?).


Noch ein paar Tipps für's Sammeln:
  1. Das ist ein "no-brainer" - Handschuhe anziehen! Natürlich brennt die Brennnessel, wie der Name schon sagt.

  2. Achtet darauf, dass die Pflanzen nicht von Tieren (Raupen, Läusen, Schnecken, etc.) befallen sind. Ist eine Schleimspur auf der Pflanzen, indiziert das Schnecken.

  3. Breite die gesammelten Pflanzen draußen in der Sonne aus, so dass alle Krabbeltiere die Chance haben, zu fliehen. Ich habe einige dieser kleinen grünen Krabbeltiere (links im Bild) rauskrabbeln sehen.

  4. Rupft dann die Samenstände über einer Schüssel ab. Wer ganz nachhaltig arbeiten möchte, rupft auch die Blätter und verwertet sie.

  5. Die Samen nun zum Trocknen auslegen.

  6. Die getrockneten Samen in ein Glas mit Schraubverschluss abfüllen. Sie sind so ca. 1 Jahr haltbar, bringen Euch also gut über den Winter, bis es im Frühjahr die jungen Blätter der Wildkräuter wieder gibt.


Was machen wir mit den getrockneten Samen? Ab ins Müsli, in den Salat, in den Smoothie... Was Euch anspricht.

Fußnote (1) Quelle für die im Text genannten Nährstoffangaben: Strauß M.: Die 12 wichtigsten essbaren Wildpflanzen, Hädecker Verlag 2010

Fußnote (2) Chevallier, A., Das große Lexikon der Heilpflanzen, DK Verlag 2017