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Jung, schlank und schön durch Autophagie?

  • Feb 15
  • 6 min read

Updated: Apr 24


Man schaut auf eine Seite aus einem Buch über Fasten
Man schaut auf eine Seite aus einem Buch über Fasten

Der Japaner Yoshinori Ohsumi vom Tokyo Institute of Technology hat im Jahr 2016 den "Nobelpreis für Physiologie oder Medizin" (das ist tatsächlich der Titel) erhalten. Geehrt wurde seine bahnbrechende Arbeit über Abbau- und Recyclingprozesse in unseren Zellen, die sog. Autophagie.


Das Wort Autophagie setzt sich aus den griechischen Wörtern auto- (selbst) und phagein (essen) zusammen und bedeutet damit wörtlich "Selbstessen". Was ein bisschen crazy klingt, ist für unseren Körper lebensnotwendig: Während der Autophagie werden geschädigte/funktionslose Proteine oder Zellorganellen von unserer körpereigenen Müllabfuhr zerkleinert und aus dem Verkehr gezogen, während verwertbare Bestandteile recycelt werden. Dieser Prozess schützt nicht nur unsere inneren Mülleimer vor dem Überquellen, sondern bekämpft auch Eindringlinge wie Viren, Bakterien oder andere Mikroorganismen in der Zelle. Die Autophagie ist für die zelluläre Gesundheit zuständig und damit zur Prävention von Krankheiten.


Aufgrund der mittlerweile vorliegenden Erkenntnissen kommt ihr bei Infektionen, in Alterungsprozessen, bei der Entstehung von Tumoren und anderen Krankheiten eine absolute Schlüsselfunktion zu. Deswegen wird die Autophagie von vielen mittlerweile als hochwirksamer Anti-Aging-Prozess und zur Verminderungen von Entzündungen und sogar zur Krebsprävention gepriesen, wenn dieser Prozess angekurbelt und intesiviert wird.


Autophagie kann zum Beispiel durch Fasten angekurbelt werden. Studien weisen darauf hin, dass Autophagie bei den meisten Menschen etwa nach 17 - 24 Stunden ohne feste Nahrung messbar zunimmt und nach 48-72 Stunden besonders stark aktiviert ist. Je nachdem, wie lange Du fastest, verändert sich die Metabolik Deines Körpers.


11-16 hrs: Intermittierend Fasten; Verdauung wird abgeschlossen

17+ hrs: Autophagie nimmt zu (zelluläre Müllabfuhr)

24 hrs: Erholung des Darmmikrobioms

36 hrs: Fettverbrennung/Ketogenese

48 hrs: Die Dopaminantwort im Gehirn verbessert sich

72 hrs: Re-set Immunsystems;

100 hrs: neue Stammzellen reparieren Baustellen im Körper


Fastenexperten probagieren immer häufiger, dass 10-Tage-Wasserfasten zu einem regelrechten Frühjahrsputz im Körper und krassen Ergebnissen führen soll. Während dieser 10 Tage nimmt man tatsächlich nur Wasser zu sich, einmal am Tag mit Elektrolyten durch Sole oder Steinsalz angereichert. Denn der Körper spült beim Fasten auch einiges an Nährstoffen raus. Ich reichere mein Wasser darüber hinaus mit frischen Wildkräutern an, deren Nährstoffe über mehrere Stunden in das Wasser diffundieren. Dadurch, dass man keine Nahrung zu sich nimmt, schmeckt man die Wildkräuter unfassbar intensiv und kann ihre wohltuende Wirkung achtsam visualisieren.


Und wenn Du jetzt denkst oder liest, der menschliche Körper sei dafür nicht gemacht, sondern es würde ihm sogar schaden, dann hat das Marketing der Lebensmittelkonzerne ganze Arbeit geleistet.


Die Wirkungsweise des traditionellen Fastens ist so alt wie die Menschheit selbst. Schon der berühmte griechische Arzt Hippokrates von Kos sprach sich für das Maßhalten oder den Verzicht auf Nahrung aus. Ein Mensch, der gesund, kräftig und jung bleiben wolle, müsse sich darin üben, Maß zu halten. Und das entspricht auch der menschlichen Konstitution.


Unsere Vorfahren haben nur gegessen, wenn Nahrung verfügbar war, d.h. wenn die Jagd erfolgreich war oder man als Sammler das Körbchen voll bekommen hat. Und wenn nicht, dann wurde gefastet. Das war für den menschlichen Körper auch völlig in Ordnung, der ist nämlich genau für eine solche Ernährung konzipiert. In den wohl gedrungenen Fastenzeiten konnte sich der Körper regenerieren. Das machen übrigens Wildtiere genauso. Das heißt, auch unseren Haustieren tut der eine oder andere Fastentag gut.


Während des Zeitalters der Industrialisierung, ca. in der zweiten Hälfte des 18. Jh., wurde dann erstmals durch die Rockefellers das Konzept von "drei Mahlzeiten am Tag" eingeführt. Dies sorgte letzlich dafür, dass Menschen jeden Tag Frühstück, Mittagessen und Abendessen zu sich zu nahmen. Die Erfinder der Frühstücksflocken erklärten der Menschheit zudem, dass Frühstück die wichtigste Mahlzeit des Tages sei, die man auf keinen Fall auslassen sollte. Und das sehr erfolgreich, denn dieser Mythos hält sich wacker bis heute, obwohl das so nicht richtig ist. Firmen, die Snacks herstellten, erklärten, dass es viel besser sei, fünf kleine Mahlzeiten zu sich zu nehmen, als drei große. Also begannen die Menschen zwischen den Mahlzeiten Snacks zu sich zu nehmen. Das konstante Essen, ohne nennenswerte Pausen dazwischen (4-5 Stunden wären ideal), sorgte dafür, dass der Körper permanent Fett einlagerte, die Menschen an Gewicht zunahmen und die sog. Zivilisationskrankheiten entstanden. Denn unser Körper kann nur regenerieren, wenn er fastet und ständiges Essen wirkt sich ungünstig auf unsere Insulinantwort aus. So entfernten sich die Menschen peu á peu von einer natürlichen Ernährungsweise zu einer unfassbar ungesunden und unnatürlichen, getoppt durch Jobs, bei denen wir hauptsächlich sitzen und kaum Kalorien verbrauchen.


Heilfasten kann daher enorme positive Effekte auf Körper und Geist haben. Durch den Verzicht auf feste Nahrung entlasten wir den Verdauungstrakt, und unser Darmmikrobiom sowie die Schleimhaut können sich regenerieren. Fasten verbessert unsere Insulinsensitivität und aktiviert die Autophagie-Prozesse im Körper. Im Rahmen eines längeren Fastens wird dadurch auch das vizerale Fett, dass sich sich in der Bauchhöhle einlagert und innere Organe umhüllt hat, abgebaut. Denn dadurch, dass beim Wasserfasten keine Kalorien aufgenommen werden, setzt die sog. Ketogenese ein.


Eigentlich ist Glukose die primäre und wichtigste Energiequelle des menschlichen Stoffwechsels, denn Gehirn, Nervenzellen und Erythrozyten (rote Blutkörperchen)

sind zwingend auf dieses Molekül angewiesen. Lediglich die sog. Ketonkörper stellen eine alternative Energiequelle dar. Die Ketonkörperproduktion (Ketogenese) ist ein Stoffwechselprozess, bei dem die Leber Fettsäuren zu Ketonkörpern umbaut, die dann dem Körper als alternative Energiequelle dienen. Eigentlich stellen Ketonkörper normale Stoffwechselprodukte dar, die in der Regel aber rasch weiter verstoffwechselt werden. Ketonkörper als Abbauprodukte der Fettsäuren fallen verstärkt im Rahmen der sog. Ketogenese an, wenn vermehrt Fett abgebaut wird.


Die Ketogenese ist eine Art "Notfallprogramm" des Körpers, das einsetzt, wenn Glukosemangel besteht. Nach einer gewissen Anpassungsphase kann der Körper dann aber, bis zu 75% der Energie aus diesem Prozess speisen. Das ist bei längerem Fasten wichtig, um Muskelabbau zu reduzieren und das Gehirn mit ausreichend Energie zu versorgen. Wenn wir während einer 10-Tage-Wasserfasten Kur in einen Hungerzustand fallen, da die Zufuhr von Glukose wegfällt, greift der Organismus auf die vorhandenen Fettdepots als Energieträger zurück. Im Rahmen der Ketogenese wird daher auch sog. viszerales Fett, das sich in die Bauchhöhle eingelagert oder um innere Organe gewickelt hat, abgebaut. Das kriegt man mit keinem Medikament oder Supplement hin!


Abgesehen von den gesundheitlichen Vorteilen für den Körper, berichten viele Fastende zudem von gesteigerter Klarheit und feineren Sinnen, emotionaler Reinigung und Ruhe. Schließlich ist Fasten natürlich auch eine krasse Achtsamkeitsübung, wenn Du Dich und Deinen Körper während dieser Zeit bewusst spürst.


Viele Fastenleiter empfehlen, den Körper auf das Fasten vorzubereiten, anstatt (wie ich es tue) abrupt mit dem Fasten zu beginnen. Um Heißhungerattacken zu reduzieren, sollten dem Fasten 1-2 Entlastungstage mit leichter Kost (z.B. Gemüsesuppe) vorgeschaltet sein. Wozu ich auf jeden Fall rate (und das mache ich auch selbst) ist, Deinen Körper beim Fastenbrechen nicht gleich mit schweren Mahlzeiten, Zucker oder Alkohol zu überfordern. Auch hier ist leichte Kost und wenig angesagt, damit der Körper den Verdauungsprozess langsam wieder hochfahren kann. Sonst würde er überfordert und das kann zu signifikantem Unwohlsein führen.


Sofern Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme oder psychische Probleme bestehen, solltst Du eine Fastenkur unbedingt zuvor mit einem kompetenten Fastenarzt klären.


Während der ersten Tage des Fastens kann die sog. Herxheimer Reaktion auftreten, quasi eine Erstverschlimmerung unseres Befindens. Sie entsteht beim Abbau von Schadstoffen, Bakterien oder Stoffwechselrückständen, wenn diese in unser Blut gelangen. Unser Körper ist dann kurzfristig stärker belastet, bevor er diese Abbauprodukte über Leber, Niere, Haut und Darm ausscheidet. Typische Symptome sind Kopfschmerzen, Müdigkeit, Muskelschmerzen, Hautunreinheiten und Stimmungsschwankungen. Als ich das erste Mal gefastet habe, habe ich am zweiten oder dritten Tag brutale Kopfschmerzen bekommen. Das lag vor allem auch am Koffein-Entzug. In der Regel ist das zwar unangenehm, aber meist harmlos und klingt nach 1-2 Tagen ab. Wichtig ist, in dieser Phase viel gutes Wasser zu trinken und die Entgiftungsorgane zu unterstützen, z.B. mit einem guten, alten Fußbad oder Spaziergängen an der frischen Luft.


Es gibt viele Arten zu fasten. Sofern Dich das interessiert, solltest Du für Dich rauskriegen, was zu Dir passt. Ein Fastenleiter, dem ich folge, betont, dass das Fasten Teil Deines Lifestyles werden sollte, um Deine Gesundheit optimal zu unterstützen. Er fastet jeden Monat bei Vollmond 36 hrs. Danach isst er eine Mahlzeit pro Tag und fastet den nächsten, dann wieder eine Mahlzeit, etc. Letztlich muss jeder für sich schauen, was nachhaltig funktioniert. Mein Tipp: Verbrauche sämtliche Lebensmittel und Reste im Kühlschrank auf, bevor Du beginnst zu fasten. Gerade beim Wasserfasten wirst Du sonst jede Ausrede ("Ich habe ja noch dies und das übrig, das wird ja sonst schlecht") benutzen, um aufzuhören bzw. gar nicht erst anzufangen. Mir ging das jedenfalls so.


Bitte beachtet, dass die o.g. Ausführungen das Ergebnis meiner Recherche sind und ich kein Fastenarzt bin. Ich kann nur von meinen persönlichen Erfahrungen berichten. Etwaiges Fasten tust Du daher auf eigene Gefahr. Lasst Dich professionell beraten, wenn Du Bedenken hast.


Schreibe mir gerne von Deinen Erfahrungen!

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