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Ist Glück erlernbar?


Auf der Ebene des Menschseins, losgelöst von Rasse, Geschlecht, Religion, Kultur, Sprache oder anderen Faktoren wollen wir letztlich alle das Gleiche: Wir sehnen uns nach Glück und wollen nicht leiden.


Die Verfasser der Unabhängigkeitserklärung der damals dreizehn vereinigten Staaten von Amerika (1776) haben das Streben nach Glück sogar explizit als Recht eines jeden Menschen aufgenommen:


We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed, by their Creator, with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty, and the Pursuit of Happiness.


Was ist Glück?

Seit Jahrtausenden versuchen Philosophen, Geistliche, Dichter, Maler und Musiker das Gefühl des Glücks auszudrücken und seine Existenz zu enträtseln. Wir sprechen zwar oft über Glück, aber sein wahres Wesen lässt sich nicht so richtig greifen.


Psychologen definieren Glück als „eine extrem starke positive Emotion und ein vollkommener, dauerhafter Zustand intensivster Zufriedenheit“. Hierbei wird zwischen dem aktuellen Glückserleben und Lebensglück unterschieden. Soziologen wiederum verstehen Lebenszufriedenheit als Glück.


Prof. Sonja Lyubomirsky, Professorin für Psycholgie an der University of California und Autorin des Bestsellers „The How of Happiness: A Scientific Approach to Getting the Life you Want“, definiert Glück als eine Erfahrung der Freude, Zufriedenheit und des Wohlbefindens, kombiniert mit dem Gefühl, dass das eigene Leben gut, bedeutsam und lohnenswert ist.


Der Psychologe Aaron Heller (University of Wisconsin) zeigte mit einer Studie im Kernspin, wo diese Freude sitzt: im Striatum, einem Teil des Belohnungssystems unseres Gehirns. Wie gut oder schlecht es jemandem gelingt, dort für "action" zu sorgen, ist ganz unterschiedlich. Und dass es uns gut tut, dort für action zu sorgen, zeigen die eindrucksvollen Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen über die gesundheitlichen Folgen von Ärger (quasi der Gegenspieler des Glücks): Sie zeigen, wie extrem schädlich sich negative Gedanken und Empfindungen unmittelbar auf unser körperliches Wohlempfinden auswirken. Positive Gefühle und Gedanken bewirken das Gegenteil.

Jeder ist seines Glückes Schmied

Die Glückforschung geht davon aus, dass 50% unseres Glücksempfindens durch Gene und angeborene Eigenschaften beeinflusst wird. 10% wird von unseren Lebensumständen beeinflusst und ganze 40% haben wir selbst in der Hand. Das heißt, auch wenn uns ein großer Teil in die Wiege gelegt wird, können wir zu einem signifikanten Teil unseres Glückes Schmied sein.


Doch wie bei allem im Leben macht auch hier die Übung den Meister. Lyubomirsky hat ein Experiment zur Wirkung von Wohlbefindenstraining durchgeführt und nachgewiesen, dass man sich bewusst dafür entscheiden kann, sich wohl zu fühlen. Unsere innere Einstellung zu Situationen, Gegebenheiten, Begegnungen und zu unserem Leben überhaupt hat einen ganz wesentlichen Einfluss auf unser Glücklichsein und wirkt sich damit nachhaltig auf unseren Glückslevel aus. Und Einstellungen sind veränderbar. Denn in jeder Suppe ist ein Haar – die Kunst ist es, nicht danach zu suchen.

Finde Deine Glücksformel

Dank der Neurowissenschaft wissen wir, wie formbar das Gehirn des Menschen ist und wie groß dessen Möglichkeiten, im hohen Maße Veränderungen und Anpassungen herbeizuführen (Stichwort: Neuroplazisität), auch im Erwachsenenalter. So auch die Botschaft des Dalai Lama, der davon ausgeht, dass Glück für jeden erlernbar ist: “Es ist ein Weg, der aktive Arbeit, persönliches Wachstum und Reifen sowie in unserer leistungs- und ergebnisorientierten Welt ein Umdenken verlangt, aber auch völlig neue Perspektiven eröffnet.“


Letztlich aber empfindet nicht nur jeder Glück anders – für jeden bedeutet es auch etwas anderes. Die Kunst des Glücklichseins besteht also darin, zu erkennen, was uns wirklich gut tut und was bei uns das wohlige Gefühl des Glücklichseins bewirkt. Durch Achtsamkeit können wir unsere Gedanken und Gefühle bewusst wahrnehmen, vor allem unter dem Gesichtspunkt, wann wir unserem System Energie zufügen und wann sie ihm Kraft rauben. Die Kraft- und Glücksräuber gilt es dann möglichst zu eliminieren. Eine wunderbare Übung dazu ist die Achtsamkeitsübung Nr. 4 „Gefühle erkennen und annehmen“ in meinem Buch: „Achtsamkeit und die Kunst des bewussten Essens“.


Bitte beachten: Es geht nicht darum, fortan im Dauerglück zu leben. Natürlich ist Glück ein zerbrechlicher Zustand und der Mensch braucht Widerstände, um sich zu entwickeln. Es geht vielmehr darum, ganz bewusst daran zu arbeiten, mehr von den wohltuenden Glücksmomenten in unser Leben einzubauen. Doch genau das fällt vielen Menschen oft schwer. Wir rennen durch den Alltag, haben lange to-do-Listen und quetschen immer mehr in enge Zeitgerüste. Wir arbeiten unser Leben ab, sind gestresst und verhindern dadurch oft unser Glück.


Nachfolgend kommen ein paar Anregungen, wo die persönliche Glücksformel für Euch lauern könnte. Letzlich ist es nicht ein einzelner Faktor, der zum Glück führt, sondern eine Kombination verschiedener.

Tu' was Du liebst!

Die neurobiologische Forschung zeigt, dass wir positive Gefühle selbst hervorrufen können. Und die offensichtlichste Kompenente der Glückformel lautet: Mache zwei Mal am Tag etwas so richtig mit Leidenschaft! Denn tatsächlich sind Begeisterung und Leidenschaft großartige Nahrung für unser Gehirn. Wenn uns etwas wirklich wichtig ist, dann strengen wir uns auch mächtig an, um es zu erreichen. Und wenn es dann klappt, sind wir begeistert. In diesem Zustand wird eine Fülle neuronaler Netzwerke aktiviert und unsere Zellen schütten einen Cocktail aus Nervenbotenstoffen aus (Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin, u.a.), das unser Glücksgefühl entstehen lässt.

Dankbarkeit & Zufriedenheit

Dankbarkeit ist eines der positivsten Gefühle überhaupt, denn es setzt nichts voraus. Oft reicht ein bewusster Perspektivenwechsel, um in einem Zeitalter der ständig geforderten Optimierung und Selbstoptimierung das zu erkennen, was schon richtig gut ist.


Zudem kann es eine Wohltat sein, sich an kleinen Dingen des Lebens zu erfreuen. Thich Nhat Hanh, Meditationslehrer, schreibt: „Geboren werden, Sterben, Atem holen, ein Geburtstagsfest feiern, in die Frühlingssonne blinzeln, sich am Schnurren einer Katze erfreuen, das Herbstlaub im Wald riechen, ein Gericht aus Wildkräutern kochen, mit Freunden essen, ein Gespräch führen mit jemandem, der einem nahe steht – alles ist wichtig, wenn man das, was man gerade macht, mit dem Herzen tut.


Glück ist selten unglaublich intensiv und ekstatisch. Es ist nicht der Millionengewinn im Lotto, sondern das entspannte Essen mit der Familie und Freunden, der für die täglichen Glücksgefühle sorgt.

Genieße den Moment

Die publizierten Glücksformeln verschiedener Autoren variieren, doch das dahinter stehende Konzept ist überall gleich: Genieße den Moment, auch unter schweren Bedingungen. Das lehrt uns, den Blick für die schönen Dinge des Lebens zu bewahren. Praktiziere Achtsamkeit: Höre die Geräusche, rieche die Düfte, fühle die Sonne, genieße die kleinen Dinge, die Du im Alltag für selbstverständlich hältst. Achtsam mit der Welt umzugehen führt unwillkürlich auch immer dazu, dass wir mehr Zeit haben, auf uns selbst zu achten, in uns hineinzuhorchen, unsere Gedanken zu erforschen, ebenso wie unsere Bedürfnisse und Ziele. Das bringt uns Erkenntnisse, die uns neue Klarheit verschaffen und uns besser auf das fokussieren lassen, was uns wirklich wichtig ist.


„Müßiggang ist aller Laster Anfang?“

Verglichen mit anderen Teilen dieser Welt leben wir in einem Schlaraffenland. Wir haben also eigentlich ideale Voraussetzungen, Glücksmomente entstehen zu lassen. Trotzdem übersehen wir oft die schönen Momente im Leben und bereiten uns eher darauf vor, irgendwann mal glücklich zu sein, z.B. wenn die Bikini-Figur erreicht ist, der nächste Urlaub ansteht, der richtige Partner vor der Tür steht, der große Lotto-Gewinn kommt, und vor allem: die Arbeit getan ist. Der Leistungsgedanke sitzt tief und wir arbeiten to-do-Listen ab, um nur keine Zeit zu vertrödeln. Vertage Dein Glück nicht in die Zukunft, z.B. wenn die richtige Kleidergröße erreicht ist, das Bankkonto die richtige Zahl aufweist, etc. Glück kann man nur im Hier und Jetzt, d.h. in diesem Moment erleben! Und die Magie des Moments verflüchtigt sich schnell, wenn man versucht, zu multitasken.


Multitasking ist ein Mythos, da der Mensch per se gar nicht in der Lage ist, zu multitasken. Der Versuch, es dennoch zu tun, sorgt lediglich dafür, dass wir unsere Aufmerksamkeit teilen und an keiner Stelle voll und ganz sind. Das geschieht zum Beispiel, wenn wie die Spülmaschine ausräumen, während wir mit der besten Freundin telefonieren. Auch wenn das Spülmaschineausräumen noch so banal klingt, unser Gehirn kann es nicht nebenbei machen. Wir hören der Freundin gezwungenermaßen nicht völlständig zu.

Vergleiche Dich weniger mit anderen

Egal, ob es um unsere Figur geht, beruflichen Erfolg oder die Zahlen auf dem Bankkonto: Es liegt in der Natur des Menschen, sich zu vergleichen, um seinen vermeintlichen Wert zu überprüfen. Und diese Vergleiche stellen wir natürlich mit Menschen an, die wir für schlanker, erfolgreicher oder reicher halten. Doch diese Angewohnheit macht niemals glücklich, sondern erhöht unseren inneren Druck und führt zu Abgrenzung. Gemeinsamkeiten mit einer Person zu entdecken, nimmt den Druck und führt zu Verbundenheit.


„Wenn Sie wollen, dass andere glücklich sind, dann praktizieren Sie Mitgefühl; Wenn Sie wollen, dass Sie glücklich sind, dann praktizieren Sie ebenfalls das Mitgefühl.“

Dalai Lama


Bei wissenschaftlichen Untersuchungen zum Glücklichsein hat man herausgefunden, dass der mitfühlende Dienst für andere eines der wesentlichen Merkmalen von vielen der glücklichsten Menschen auf dieser Welt ist. Mache es Dir zur Gewohnheit, besonders nett mit Dir selbst und Deinen Mitmenschen umzugehen, auch wenn Du sie nicht kennst. Du wirst sehen, wie zufrieden das macht. Denn wenn man ein Lächeln in die Welt schickt, kommt auch eines zurück, versprochen! Wie wichtig es ist, mit sich selbst freundlich umzugehen, liest Du hier.

Beziehungen pflegen

Das Streben nach sozialer Eingebundenheit ist eines der psychischen Grundbedürfnissen des Menschen. Die Psychologen Baumeister und Leary kommen in einer Überblicksstudie zu eindrucksvollen Erkenntnissen: Demnach weist die Abwesenheit sozialer Bindungen eine starke Verbindung zum unglücklich sein, Depression und anderen Formen von Leid auf. Ein hohes Maß an subjektivem Wohlbefinden oder Glücksempfinden scheinen mit sozialer Isolation nicht vereinbar zu sein. Fühlt man sich mit anderen verbunden, ist man in der Lage, sein Herz zu öffnen und eine wahre Quelle der Freude zu entdecken.

Flow-Aktivitäten finden

Flow ist das berauschende befriedigende Gefühl, voll und ganz in einer Sache aufzugehen und dabei die Zeit zu vergessen. Die Erforschung dieser Erfahrungsform geht auf den Psychologen Mihaly Csikszentmihalyi zurück. Csikszentmihalyi bezeichnet Flow als eine „optimale Erfahrung“, in welcher eine Person völlig von ihrer aktuell ausgeführten Tätigkeit absorbiert ist. Dabei ist die Aufmerksamkeit gänzlich auf den gegenwärtigen Moment ausgerichtet. Intrinsische Motivation, Desinteresse an extrinsischen Belohnungen und autotelische Handlungen sind darüber hinaus entscheidende Charakteristika des Flows.


Ein weiteres Merkmal der Flow-Erfahrung liegt in der Qualität der durch die aktive Person wahrgenommenen Herausforderungen bzw. Handlungsmöglichkeiten. Die individuellen aufgabenspezifischen Fähigkeiten werden beansprucht, ohne dass dabei eine Überforderung stattfindet.


Flow-Erfahrungen können auf unterschiedliche Weise auftreten. Meist, wenn wir etwas tun, was uns besonders Spaß macht und in dem wir gut sind. Das kann bei kreativen Arbeiten wie Malen, Zeichnen, Musik machen, oder Schreiben sein. Forschungsergebnisse zeigen, dass Flow-Zustände mit einem höheren Maß an Glück, Zufriedenheit und Selbstverwirklichung verbunden sein können.

Sei neugierig!

Wer einmal am Tag etwas Neues erforscht, entdeckt unbekannte Dinge, die vielleicht mehr Interesse verdienen. Und jede neue Erfahrung, jede Ungewissheit, jede knifflige Aufgabe bereichert unseren Alltag. So gilt die Lust auf Neues als eine der wichtigsten psychologischen Stärken, wenn es um ein erfülltes Leben geht. Laut Neurowissenschaft fördern wir die Flexibilität unseres Gehirns, wenn wir uns aufregenden Erfahrungen stellen, indem wir unsere Nervenzellen erweitern.

Kümmere Dich um Deinen Körper!

Ernähre Dich gesund und bewege Dich 30 Minuten täglich! Das ist laut Prof. Dr. Todd Kashdan, amerikanischer Psychologe, das letzte Puzzlestück, um ein gesundes, schönes und glückliches Leben zu führen.

Tipp Aromaöl

Falls Du gerne mit Aromaölen arbeitest oder sie als Duft verwendest: Bergamotte weist als geistig-selische Wirkung u.a. "anregend", "antidepressiv", "aufbauend", "entspannend" auf. Guter Earl Grey Tee enthält natürliches Bergamotten-Öl und ist nicht nur aromatisiert. Vielleicht ist das etwas für Dich.


Viel Glück auf der Suche nach Deiner persönlichen Glücksformel!

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